Nach der 4,3 millionsten Viagra Spam sehnte ich mir die Zeit herbei, in der die Werbung auf mich zugeschnitten abläuft. Die Werber wissen ich bin weiblich, Viagra interessiert mich absolut nicht, ich will nette Werbung eingeblendet haben, die mich auf Sachen hinweist, die ich gerade brauche, die mich interessieren. Eine Welt in der der Werber weiss ich interessiere mich nicht für Golf, Autos kann ich nur anhand ihrer Farbe unterscheiden und gegen Werbung für Diätprodukte bin ich resistent. Ich warte auf Werbung für Schokolade, alles rund um Katzen, Kampfsport, Computer, Kosmetik, Fachliteratur, prima!

Dann kam Facebook und am Anfang war sie interessant, die Werbung auf Facebook. Facebook kennt die persönlichen Daten und Vorlieben, die ich Facebook gegeben habe und die Werber können ihre Werbung dort ortsgebunden, altersspezifisch und vor allem auch geschlechtsspezifisch schalten.

Wenn ich in San Francisco war bekam ich Restauranttipps in San Francisco, Veranstaltungen und Werbung, die zwar noch recht grob aber erstaunlich oft auch passend auf mich zugeschnitten war. Prima, so fühle ich mich verstanden.

Wenn ich in Deutschland war klappte das etwas weniger perfekt, die Werbung habe ich als recht allgemein in Erinnerung und in Neuseeland war es recht viel Tourismus, aber das kann ja noch alles kommen. In jedem Falle passte es besser und ich empfand es auch als viel angenehmer, als mit Werbung zugeblinkt zu werden, die mich absolut nicht interessiert.

Werbung muss sein, die Arbeit der Betreiber einer Webseite oder eines Blogs muss irgendwie bezahlt werden, das ist echt viel Arbeit.

Und dann passierte es, ich hatte Geburtstag und schaltete von (x-1)9 auf x0. Jeder Mensch mit ein klein wenig Verstand, wagt es nicht in irgendeiner Form auf die neue 0 am Ende des Lebensalters hinzuweisen. Was aber macht meine auf mich zugeschnittene Werbung? Sind Sie eine Frau über x0? Dann haben Sie bei uns die Chance auf einen Gutschein. Frauen über x0 bekommen bei Y ein paar Schuhe günstiger. Deals for women in the x0s, weekend getaways, spas, theatre …

Nun hasse ich auf mich zugeschnittene Werbung. Vor allem, wenn ich gleich 3 von den Werbeeinblendungen mit Altersangabe untereinander angezeigt bekomme. Was denken die Werber denn wer ich bin? Und was bekomme ich dann in 10 Jahren angezeigt? Oder in 20?

Bekomme ich wenn ich 60 werde nur noch Werbung für 3te Zähne und Aufstehhilfen aus dem Sessel? Haben die Werber eigentlich irgendeine Ahnung wie fit die 60jährigen und auch die 70jährigen heute sind und was die interessiert?

Wird mich diese Art der Werbung irgendwann dazu bringen mein Alter nicht mehr anzugeben? Oder werden die Werber lernen vernünftiger mit ihrer Zielgruppe umzugehen und auf ihren Kundenkreis und deren Bedürfnisse einzugehen?

Kann ich irgendwann sagen ich habe hier meine Daten zur Verfügung gestellt und damit einen Anspruch Werbung, die ich nicht sehen will zu verbannen? Zeigt mir diese Werbeeinblendung bitte niemals wieder an? Denn die Tatsache, dass jemand mit einer vollkommen unpassenden Werbung mich als Zielgruppe erwählt hat, Aufgrund meiner Daten, die ich angegeben habe, könnte ich als Beleidigung empfinden. Verbannbare Werbung wäre ein vernünftiger Schritt, der auch dem Werbetreibenden zeigen kann, dass das, was er da gerade probiert, echt nicht gut ankommt.

Es ist gut dem Viagra Spam entkommen zu sein, aber die zielgruppen-spezifisch auf mich zugeschnittene Werbung beleidigt mich direkt. Allgemeine Werbung kann auch für jemand anderen gedacht sein.

Früher brauchte man eine Werbeagentur, die ein Design erstellt und Werbeplätze bucht. Heute kann jeder mit wenig Geldeinsatz prima werben. Einfach klick klick online.

Hört nicht auf zu werben, zeigt der Welt, dass ihr da seid und was ihr anzubieten habt, aber denkt ein wenig über die Gestaltung nach :)


Eine von ECCE TERRAM durchgeführte nicht-repräsentative Umfrage im Februar 2010 unter 50 Internet Nutzern im Alter von 38 bis 42 zeigte folgendes:

43% der Nutzer würden trotz der Problematik zielgruppenorientierte Werbung bevorzugen.
39% der Nutzer ist die Problematik und die Werbung schlicht egal
18% sagen deutlich, dass sie Werbung die sie z.B. an Ihr Alter erinnert als Abschreckend auffassen.

Bei der Verteilung der Antworten sind Faktoren wie Jahreseinkommen, Herkunftsland oder Ausbildunggrad eher keine  bestimmende Faktoren. Allein bei der Nutzungshäufigkeit von Social Media Angeboten gibt es eine merkbaren Unterschied: Hier nahm der Anteil der ablehneden Nutzer auf 31% zu, und jene der Befürworter dieser Werbung sang auf 30%.

Prinzipiell besteht aber sicher bei zielgruppen-orientierte Werbung Stolperfallen und auch ein gewisses Risiko, dass man sich politisch nicht korrekt verhält. Gerade wenn man ausländische Märkte mit Ihren besonderen kulturellen Hintergründen anspricht.

Daher sollte als Unternehmen bei zielgruppenorientierter Werbung beachten werden:

  • Die Kriterien die sie nutzen um Werbung zu zusenden, werden auch von anderen genutzt. Wer Werbung an Verheiratete kurz vor Valentinstag verschickt, muss damit rechnen das dies auch viele andere tun. Wer am Tag eines Geburtstages eine Werbung schickt, muss sich nicht wundern das andere das auch zum Anlass nehmen. Entzerren Sie die Werbeaktion zeitlich.
  • Niemand wurde in eine Werbung die Religion oder die Hautfarbe im Werbetext verwenden. Wieso dies also bei Geschlecht und Alter tun ?    Zielgruppen-orientierte Werbung soll man – intelligent – durchführen, aber man muss die genutzten Kriterien nicht explizit nennen.

Anmerkung: Dies ist ein Artikel zum Thema zugeschnittene Werbung. Die Themen Datenschutz und Datensicherheit und wie sinnvoll oder bedenklich es ist personenbezogene Daten im Netz zu sammeln, in Social Media Diensten anzugeben und zu verbreiten werden in diesem Blog noch angesprochen werden. (EB)

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2 Kommentare zu “Alterszielgruppe sein nervt”

Frank Simon

Mir ist solche zielgruppen-orientierte bzw. personalisierte Werbung noch nicht untergekommen. Wenn, dann sollte sie aber nicht noch darauf hinweisen, wie sie ich der definierten Zielgruppe entsprechende. Das macht sich dann nur wieder unpersönlich.

Philipp Stirbu

Nun ja die Onlinewerbung an sich scheint in DE im Gegensatz zu den USA auch kein sehr lukratives Geschäft zu sein. Bestes Beispiel was ich zur Zeit kenne ist SouthPark.de. Normalerweise konnte man bei der 13 Staffel die neuste Englische Folge am Tag von deren Austrahlung schon auf der deutschen Site (natürlich in Englisch) gucken. Bei der 14 Staffel mussten sich die Betreiber auf einen Deal mit Apple einlassen und ihnen das 1 Wöchige Exklusivrecht für das Angebot der englischen Folge in DE zusprechen bevor diese jetzt 1 Woche nach Ausstrahlung in den USA auf der deutschen Site kostenlos zu sehen ist. In den USA hingegen funktioniert das Konzept auf southparkstudios.com.

Von daher wundert es mich auch nicht, wenn das Empfinden der personalisierten Werbung zwischen DE und USA noch auseinander klafft. Hier sind die Leute meiner Meinung nach auch eher bedacht die Werbung erst gar nicht zu sehen (auch wenn es den Betreibern schadet). Ich z.B. nutze NoScript und AdBlockPlus. Personalisierte Werbung ist okay, aber meistens trifft sie einfach nicht meinen Geschmack und ich möchte meine Daten gar nicht für diese Zweck Preis geben.

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