GABA Event 9.2.2010

Wie nutzt man soziale Netze um einen Job zu finden. Das ist die Fragestellung, die die German American Business Association, kurz GABA, veranlasst hat eine Vortragsreihe zu etablieren. Eine der Vorträge dazu lief unter dem Titel „Ready to make your move?“. Der Redner war eine der Mitbegründer von Linkedin und zwar Konstantin Guericke. Der geborene Hamburger hat in Stanford studiert und lebt seit vielen Jahren mit seiner Familie in den USA.

Business Netzwerke sind nichts, was erst mit dem Internet aufgekommen ist. Von den universitäre Verbindungen in den USA, hat man auch in Deutschland gehört. Man hält diese für Eliten, aber es gibt diese schon seit über 100 Jahren. Auch nach dem Studium bilden diese Netzwerke eine Basis für zukünftigen sozialen und auch geschäftlichen Umgang miteinander. Diese stellen auch meines Erachtens weniger Eliten dar, als ein Netzwerk wo Ältere Jüngeren helfen – wo einige als Mentoren und Begleiter auftreten und ihre Erfahrungen weitergeben. Sei es höhere Jahrgänge den jüngeren, aber auch Leute die nach einem langen Business Leben Ihre Erfahrung weitergeben, den viele dieser Erfahrungen sind „zeitlos“. Insofern war es natürlich, dass Business Netzwerke in den USA entstanden sind. Und wenn man vor einigen Jahren sich beide Dienste ansah, dann wurde Xing häufig eher als zentrales Adressbuch genutzt, bei dem man auf den laufenden bleiben konnte, wenn ein Kontakt den Arbeitgeber wechselte. Während in Linkedin schon immer eine eher aktive Rolle eingefordert wurde. Heute haben aber beide Dienste ähnliche Funktionalitäten und werden auch ähnlich von den aktiven Mitgliedern genutzt.

Linkedin wurde dabei von fünf Leuten aus drei Ländern gegründet: Eine der Gründer war Franzose, Konstantin aus Deutschland und drei aus den USA. Von den Gründern ist einer heute bei Twitter in verantwortlicher Position, einer bei Facebook, Konstantin hat mit jaxtr ein Startup gegründet, ist aber auch weiter in Linkedin aktiv.

In wenigen Jahren ist Linkedin zu einen riesigen Netzwerk mit heute über 55 Millionen Mitgliedern und 2 Milliarden Verbindungen untereinander gewachsen. 81% der Teilnehmer haben Collegeabschluss, Durchschnittsalter liegt bei 41 und Entscheidungsträger aller 500 Firmen aus dem Fortune 500 sind vertreten. Dabei sind 9,7% der Bevölkerung in den USA in Linkedin und der Anteil ist mit 9,8% sogar höher, so merkte Konstantin an.

Linkedin bietet dabei viele Features. Die meisten wie die Suche, schaffen von Verbindungen, Kontakte einladen oder Foren sind bekannt. Aber auch Funktionen wie Question & Answer als Wissensdatenbank, Umfragen, Google Presentations oder Firmenseiten gehören dazu.

Gründe um in Business Netzwerken aktiv zu sein sind vielfältig:

  • Verbindungen pflegen
  • Kaufentscheidungen treffen
  • Probleme lösen
  • Bekannte unterstützen

und das wichtige

  • Die eigene Person als Marke pflegen

Besonders letztes ist ein Ansatz, den man sich in Netzwerken – egal ob in privaten oder geschäftlichen. Besonders im geschäftlichen, muss man sich selbst pflegen als wäre man eine eigene kleine Firma. Die Person als Marke ist dabei garnicht so abwegig. Schauspieler sind wie Konstantin als Beispiel brachte das gewohnt. Sie haben Agenten, sie platzieren sich im Markt und agieren entsprechend. Linkedin ist als eine Art „Agent“ aufzufassen, der einen hilft am Markt zu platzieren.

Dazu gehört, sich nicht mit jeden zu verbinden:

Man sollte etwas über sein Gegenüber sagen können. Das kann sein, weil man mit ihm zusammengearbeitet hat, als Geschäftspartner kennengelernt hat oder zusammen studiert hat. So extrem würde ich das nicht sehen, aber bevor man ein Invite verschickt ist es schon wichtig zu überlegen, ob die Verbindung irgendwann beiden Seiten nützen kann.

Man kann in Linkedin viel über andere Menschen lernen. Natürlich durch deren Profil und ihren Lebenslauf. Aber auch, welche Bücher sie empfehlen, an welchen Foren sie teilnehmen, usw.

Aber auch umgekehrt kann man bessere Informationen erhalten: Buchempfehlungen gibt es auch bei Amazon. Dort erfährt man jedoch dort, wer die Empfehlung abgegeben hat.  In Linkedin kann dies eingesehen werden, und wer ein Buch empfehlt sagt genausoviel über ein Buch aus, wie die Buchempfehlung selbst.

Business Netzwerke nutzen für Jobsuche

Die Fragestellung ist jedoch, wie kann man Linkedin nutzen um einen Job zu finden:

  1. Forsche nach Karrierewegen
    Erforsche die Karrierewege jener Personen, die jenen Job haben, den man selbst in 5-10 Jahren gern hätte. Man möchte im oberen Management bei einer grossen Firma der Unterhaltungsindustrie arbeiten, dann kann man danach suchen und sich die Karrierewege dieser Leute ansehen. Das kann einen helfen die eigene Karriere zu planen.
  2. Suche nach Menschen die deinen Job haben
    Suche nach Personen, die jenen Job in der Region, Branche und Firmengröße haben, den du suchst. Die Firmen sind potentielle Arbeitgeber für einen selbst.
  3. Werde Mitglied in Gruppen
    Linkedin bietet 520.000 Gruppen zu allen möglichen Themen. Diese haben von wenigen dutzend bis zu mehreren hunderttausend Mitglieder. Gruppen schaffen Kontakte und erlauben eine eigene Reputation zu transportieren in dem man beispielsweise Fragen beantwortet.
  4. Kontakte und Freunde nutzen
    Welche der direkten Kontakte und Freunde suchen gerade jemanden für ihren Arbeitsbereich. Jede Suche kann man so sortieren, dass sie nach Relationship sortiert sind. Man sieht also auch Kontakte der eigenen Kontakte. Vielleicht hat jemand gerade eine passende Stelle und man kann über den eigenen Kontakt sich vorstellen lassen ?
  5. Bleibe in Verbindung
    Suche nach alten Schulfreunden, Kollegen, usw. Diese haben eigene Netzwerke aufgebaut, die heute vielleicht nützlich sein könnten (und für die man selbst nützlich wäre)
  6. Informiere dein Netzwerk
    Update des Status, Neuigkeiten veröffentlichen und Empfehlungen sind eine gute Möglichkeit einen in Erinnerung zu rufen. Manchmal kann schon der Hinweis, dass man zu Besuch in einer anderen Stadt ist zu „Restart“ einer alten Verbindung sein.Es gibt eine gute iPhone Applikation von Linkedin, die nach meinen Erfahrungen stabiler und besser als jene für Xing ist. Demnächst soll auch eine für Blackberry rauskommen. Das erleichtert Kontakte einzutragen die man getroffen hat und den eigenen Status zu setzen.
  7. Nutze Applikationen
    Man kann auf Linkedin PDFs veröffentlichen, Videos verbinden, Bücher empfehlen, dass eigene Blog einbinden und so das eigene Profil zur Informationsdrehscheibe der eigenen Person gestalten.
  8. Zeige deine Kompetenz
    Im Bereich Questions & Answers kann man nicht nur anderen Mitgliedern helfen. Man baut auch eine Reputation auf. Wird die eigene Antwort als „beste Antwort zum Thema“ gewählt, wird das im eigenen Profil angezeigt als „Expertise“ in den entsprechenden Fachgebiet.
  9. Werde gefunden von Recruiters
    Bitte um Empfehlungen und gebe selbst Empfehlungen. Empfehlungen sind ein wichtigstes Instrument. Es gibt viele Recruiter, die niemand Kontakten der nicht mindestens drei Empfehlungen hat. Das Profil zu pflegen, ist auch eine Form von Suchmaschinenoptimierung. Man sollte prüfen, wo der eigene Name in Google, Bing oder Yahoo auftaucht.
  10. Suche im Netzwerk nach Stellenangeboten
    Die Suche erlaubt auch über die Firmensuche sich anzeigen zu lassen, welche Firmen in seinen Verbindungen des ersten und zweiten Gerades gerade Jobs anbieten. Die eigene Kontakte können einen helfen, innerhalb des Unternehmens die richtige Leute anzusprechen oder gar empfohlen zu werden.
  11. Simple Hired
    Eine wichtige Job Suchmaschine ist  Simple Hired. Diese ermöglicht dabei die Verbindung mit Linkedin, so erhält man für jede Jobangebot gleich den Hinweis, ob man jemanden kennt der in der Firma arbeitet, die diesen Job anbietet.
  12. Toolbar
    Linkedin bietet ein Tool für den Browser, was hier ebenfalls Zusatzinformationen in Craiglist und anderen Diensten erlaubt.
  13. Prüfe wer dein Profile ansieht
    Je nach Einstellung des Suchenden, tauchen Herkunft (Firma, Region) oder sogar Namen desjenigen auf, der dein Profil angesehen hat. Vielleicht sucht die Firma gerade jemanden ?
  14. Interviewvorbereitung
    Suche nach dem Unternehmen in Linkedin, sehe die Profile der potentiellen Interviewer und Gesprächspartner an. Suche nach der Person, die den Job vorher hatte. Wieso nicht fragen, warum er da nicht mehr arbeitet ? Schaden kann es nicht
  15. Forsche über deinen zukünftigen Vorgesetzten
    Wer ist er, was hat er für Referenzen und noch wichtiger, was war ihm wichtig zu erwähnen, wenn er andere empfohlen hat. Wer hat früher für ihn gearbeitet und kann eventuell Tipps geben ?

Auf welchen Netzwerk sollte man also aktiv sein ?

Diese Frage wurde natürlich weniger diskutiert. Scherzhaft meinte Konstantin Guericke, dass es in Deutschland einen starken Wettbewerber geben würde. Dessen Name sei ihm gerade entfallen, es wäre ein chinesisches Wort wohl gewesen

Aber für Professionells, ist das eine wichtige Frage, da es nunmal zwei grosse Business Netzwerke und noch eine Reihe andere Plattformen gibt, die schon seit langem ebenfalls eine Bedeutung besitzen.

LinkedIn ist als Business Netzwerk weltweit präsent, genau wie Xing überall aktiv ist. Aus meiner Erfahrung kann ich folgendes berichten:

Persönlich bin ich erst recht spät Mitglied bei Linkedin geworden und habe dort heute über 440 Verbindungen. Beide Dienste haben die selbe Zielsetzung. Angefangen habe ich mit Xing, wo ich heute über 440 Verbindungen unterhalte und pflege. Vor einigen Jahren sah ich mir auch Linkedin an, aber zumindest damals war es noch sehr benutzerunfreundlich gewesen. Man verstand nicht wirklich, wie man es nutzte. Das hat sich aber inzwischen verändert. Linkdedin ist heute genauso Nutzerfreundlich wie Xing. Hat eine eine Funktion, kann man erwarten das der jeweils andere diese ebenfalls bald besitzt. Wobei man sagen muss, dass Linkedin inzwischen dort die Nase vorne hat. Nicht nur besass Linkedin vor Xing eine Twitterintegration, diese ist in Linkedin deutlich besser implementiert. Die Xing Integration „Xwitter“ ist allerdings auch seit kurzen verfügbar. Funktionen wie Empfehlungen gab es ebenfalls zuerst in Linkedin, bevor diese auch in Xing eingeführt wurde.

Die Funktionalität ist aber nicht das Auswahlkriterium, sondern die Menschen die daran teilnehmen. Obwohl die Benutzerzahlen z.B. in Europa und Deutschland von beiden Diensten beeindruckend ist, ist es offensichtlich das deutsche Nutzer in Xing aktiver sind, als in Linkedin – selbst wenn sie in beiden vertreten sind. Ich finde häufig Verbindungen von Xing mit Hunderten von Kontakten, während die selben in Linkedin nur wenige Connections besitzen – umgekehrt gibt es solche Fälle aber genauso.

Welchen Dienst man nutzt ist also erstmal eine Frage, mit wem man vernetzt sein möchte oder muss.

In Deutschland wird Xing als aktiv genutzter Dienst bevorzugt. Als ich jedoch in Neuseeland lebte, war eine solche Präferenz nicht mehr zu spüren. Einige nutzten Xing aktiv, andere Linkedin. Je nachdem, ob ihr Business eher nach Europa ausgerichtet war oder nach den USA. In den USA ist es wiederum klar: Man ist in Linkedin oder man existiert nicht. Jedoch „pauschal“ zu behaupten, Europa = Xing, Linkedin = USA wäre ebenso falsch. Siehe den Hinweis im Vortrag im Hinblick auf die Niederlande.

Wenn ich ein Blick in meine Kontakte werfe, so sind nur ca. 20% meiner Kontakte in Xing und Linkedin gleichermassen Mitglied und aktiv (als entscheidendes Kriterium). Häufig wenn ich Xing Kontakte zu Linkedin einlade (oder umgekehrt) ist die Antwort die selbe: Man möchte nur Zeit in ein Netzwerk stecken und nicht Netzwerke in zwei Business Portalen pflegen. Allerdings hat man auch wenig Wahl. Ist man – wie ich – in Deutschland und USA aktiv, dann muss man auch in beiden Netzwerken vertreten und aktiv sein.

Ehrlich gesagt hoffe ich, dass irgendwann einer der beiden den anderen aufkauft. Man ist am Ende nur solange gegen Monopole, bis sie einen zuviel Lebenszeit kosten. (FS)

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2 Kommentare zu “Business Netzwerke aus erster Hand”

Gerd Meissner

Ergänzende Anmerkung: Das erste netzbasierte „social network“ für Jobs, Karriereförderung und Personalsuche zwischen den USA und Deutschland war tatsächlich „Silicon Valley for Germans“. Aus dieser offenen und zweisprachigen Mailingliste für Amerikaner und Deutsche entstand später das US-weit vetretene Germany-USA Career Center. S. a. Robert R. Locke, „The Entrepreneurial Shift – Americanization in European High-Technology Management Education“, Cambridge University Press.

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