1. Chirp Developer Conference

Wieso die erste Twitter Developer Conference den Namen Chirp bekam, ist mir nicht wirklich klar. Allerdings muss ich zugeben, dass der Hashtag #chirp besser ist als sowas wie #1tdc. Twitter als erfolgreichste Social Media Plattform bzw. Informations-Netzwerk hat die vielen Developer nach San Francisco eingeladen, um über die neuen Entwicklungen zu berichten und den Entwicklern zu ermöglichen am Hack Day eng mit Twitter Entwicklern sich auszutauschen. Damit reicht sich Twitter mit Google und Apple in jene ein, die San Francisco für ihre Developer Konferenzen ausgewählt haben.

Erst vor wenigen Jahren ist  Twitter gestartet und ist seitdem in einer beeindrucken Geschwindigkeit gewachsen. In erster Linie hat dies mit der Philsophie zu tun, als offene Plattform sich der Entwicklergemeinde geöffnet zu haben und so die Anzahl der Anwendungen die Twitter als Basis nutzen zu fördern. Gleichzeitig ist Twitter das Synonym für eine Anwendung bzw. Firma, die noch auf der suche nach Ihren Business Modell ist, den wie es Geld verdienen will war bis vor kurzen unklar.

Twitter – eine Geschichte

Die Geschichte von Twitter mit seinen heute 175 Mitarbeitern wie sie von Biz Stone (Mit-Gründer) und Evan William (CEO) dargestellt wurde, war anscheinend für die Gründer selbst überraschend. Nachdem Sie einige Ideen entwickelt hatten, wurde Twitter in kürzester Zeit in Form eines Prototypens erstellt und im Bekanntenkreis ausprobiert.

„setting up my twitter“

Dies war der erst je veröffentlichte Tweet im Jahr 2006 als das Projekt gestartet ist. Schon wenige Wochen nach dem Start gab es die erste Twitter-API, Zum Vergleich brauchte Apple fast ein Jahr sein iPhone für Applikationen zu öffnen und das auch eher auf Druck der Entwicklergemeinde – bereut hat es Apple sicher nicht.

Die begeisternden Reaktionen waren der Startschuss für eine breite Entwicklung. Wichtiger Pluspunkt war dabei die API, die Entwickler ihre Ideen von Anfang an ausprobieren lies. Eine der ersten Anwendungen war Twitterific, eine Desktop Applikation für den Mac. Für die Gründer war dies überraschend, den sie selbst hatte nie an Desktop Clients gedacht. Diese Anwendungen brachten aber neue Nutzer zu Twitter und waren damit ein Gewinn. Vielleicht hängt die Tatsache, dass sicher die Mehrheit der Laptops auf der Twitterconference Macbooks waren damit zusammen, dass die erste Desktop Applikation für eben den Mac entwickelt wurde. Es folgten dann viele weitere Anwendungen wie Twittervision, TweetDeck und andere. Heute gibt es 3 Milliarden API Requests pro Tag von Drittanwendungen.

Um Twitter ranken sich viele Annekdoten, angefangen von der Geschichte des Studenten James Buck der sich 2008 fragte, wie in Ägypten sich die Spontanproteste so kurzfristig formieren konnte. Als er mitbekam, dass dies über Twitter geschah, nutzte er auch Twitter um immer rechtzeitig am Ort des geschehens zu sein. In einen dieser Fälle, wurde er verhaftet. Sein Handy wurde ihm nicht sofort abgenommen, und so konnte er noch ein Wort tweeten – „arrested“. Freunde, die wussten wo er war, bekamen dies mit und informierten das US Aussenministerium, welches wiederum das ägyptische Konsulat informierte und schon kurz danach konnte James ein neues Wort twittern – „freed„.

Dies war für die Gründer nach ihrer Beschreibung das erste Anzeichen, dass ihre Anwendung eine größere Bedeutung haben könnte, als sie je angenommen hätten. In 2009 kam die nächste Bewährungsprobe. Bei Twitter stand eine sehr, sehr wichtiges Update an. Wie Evan beschrieb, ein für Twitter wichtiges Update zu dem Zeitpunkt. Als diese angekündigt wurde, bekamen Sie Anrufe, E-Mails und reichhaltig Bitten, diese Wartungsarbeiten zu verschieben – Twitter war zur wichtigsten Koordinierungsplattform im Iran für die dortigen Protestbewegung geworden. Aus den damaligen Erfahrungen hat mal gelernt, und eine neue Deploymentplattform entwickelt um Updates viel schneller eiinzuspielen. Diese Plattform trägt übrigens den Namen „Murder“.

An der Bedeutung von Twitter kann es bei 105,779,710 registrierter Nutzer heute kaum ein Zweifel geben. Die vorgetragenen Geschichten sind gut gewählt, den sie platziert Twitter erstmal in der Öffentlichkeit an jene Stelle, wo Google anfangs auch war: Die „gute Macht“ im Internet. Ob es das ist und bleibt, bleibt abzuwarten.

Jede Art von Weiterentwicklung von Kommunikation und Informationensverbreitungen bietet Vorteile, wenn es um Freiheit und Demokratie geht. Die Geschichte liefert dafür viele Belege, wie der Postdienst, der Buchdruck oder die Erfindung des Internets. Natürlich gibt es auch Missbrauch oder Fehlentwicklungen, aber grundsätzlich wären viele positive Entwicklungen ohne Kommunikation nicht möglich gewesen. Ziemlich zeitgleich wurde auf der Welt über die Bedeutung von Twitter für Freiheit und Demokratie diskutiert. Wobei die Grundmeinung auf der Re:Publica und bei der Diskussionsverantaltung unter der Moderation von Tim O’Reilly nicht unterschiedlicher sein könnten.

In den letzten Jahren, besonders im Jahr 2008 hatte Twitter mit seinen enormen Wachstum zu verkraften. Datenbanken wurden von mysql auf Casandra umgestellt, Hardware hinzugefügt, die FlockDB geschaffen (inzwischen ist diese Open Source) und neue effizientere Algorithmen und Schnittstellen geschaffen. Man kam anscheinend über eine lange Zeit zu „nichts“.

Das hat sich geändert. Die Infrastruktur ist inzwischen gut aufgebaut und man nimmt sich den Themen „Nutzungsfreundlichkeit“ und „Bedeutung“ an. Twitter gilt immer noch vielen Nutzern als kompliziert. Angefangen von der Anmeldung bis dahin sich ein Freundeskreis aufzubauen, die Bedeutung von Replies, Retweets, Hashtags, Mentions, usw. zu verstehen, usw.

Twitters Einstieg in den Clientbereich

Das Unternehmen ist sich der Bedeutung der Applikationen, Clients, Partner und Entwicklergemeinde – als Ecosphere bezeichnet – sehr wohl bewusst. Daher tat man sich schwer, selbst auch Clients bereitzustellen. Man sah Evan an, dass er hier eine Erklärung geben wollte und es war der einzige Teil des Vortrages, wo ich glaubte bei Ihm etwas Unsicherheit zu verspüren. Er zeigte ein Video aus einer vor einigen Wochen durchgeführten Testreise mit Nutzern. Eine  24 jährige Studenten war sichtlich damit etwas überfordert auf Ihren iPhone eine Twitter Anwendung zu installieren. Der Rat im App Store zu schauen, führt halt zu einer grossen Anzahl von Applikationen.

Aus diesen Grund möchte Twitter auch die Partnerschaft mit RIM für einen Blackberry Client und den Kauf des Tweetie-Clients für iPhone nicht als Affront gegen die Entwickler von Clients verstanden wissen, sondern er möchte es Neunutzern einfacher machen einen Einstieg zu haben. Im Fall Blackberry ist man der Meinung das auch belegen zu können. 300.000 mal wurde die Blackberry App in den schon heruntergeladen. Am 13.4. waren schon 1,7% aller Tweets von Blackberry-Clients gekommen. Insgesamt kommen 37% der Zugriffe von Handy und neue Nutzergruppen zu erschliessen, nutzt laut dem Twitter Management nicht nur Twitter, sondern jeden in der Ecosphere und damit auch Partnern und Entwicklern. 75% der Zugriffe auf Twitter insgesamt kommen nicht über twitter.com.

Neue Funktionen

Auch eine Firma Twitter muss auf einer Entwicklungskonferenz natürlich neue Funktionen vorstellen. Auf Grund der Spartanischen Zielsetzungen 140 Zeichen zu verbreiten, sind diese natürlich nicht mit der Veröffentlichung eines iPads vergleichbar. Als erstes wurde heute wurde heute mit dev.twitter.com die neue Entwicklungsplattform gestartet. Sie bietet „Highlights“ wie beispielsweise, aktuelle Dokumentation, da diese nicht mehr manuell, sondern direkt aus dem Sourcecode erzeugt wird.

Es wurden die User Streams vorgestellt, die erlauben in Echtzeit Twitter Meldungen, aber auch das followen oder Retweet sich anzeigen zu lassen. Demonstriert wurde das am Beispiel von twitter.com und einer Desktop Applikation. Wurde im Web ein Nutzer neu als Follower hinzugefügt, tauchte er als neuer Nutzer in der Desktop Applikation praktisch sofort auf.

Ebenso neu ist die in_reply_to Funktion, die nun erlaubt Threads die sich aufeinander beziehen zu identifizieren und z.B. als Verzweigungsbaum darzustellen.

Ebenso sollen die Entwickler im nächsten Quartal die Möglichkeit erhalten, eigene Metadaten zusammen mit Tweet über die API zu setzen. Diese Annotations sollen neue Anwendungen ermöglichen.

Die Möglichkeit Locations bzw. Places zu setzen und so anzuzeigen, wo man sich gerade befindet ist eine weitere FUnktion, die neue Suchmöglichkeiten bieten soll. So kann man sich anzeigen lassen, welche Tweets gerade aus der Nähe z.B. des Veranstaltungsortes der Chirp Conference stammen.

Twitter und die Medien

Letzte Funktion war dann auch ein Beispiel von Chloe Sladden (Media Partnerships) und Dick Costolo (CTO) die neuen Funktionen zur Integration von Twitter auf Webseiten, insbesondere auf News- und Informationsportalen vorzustellen: @anywhere.

Nachrichtendienste spielen für Twitter eine bedeutende Rolle. Einerseits sind sie ein hervorragender Multiplikator für Twittermeldungen, aber auch neue Twitternutzer zu gewinnen. Andererseits zeigt sich, dass Twitter selbst einen Einfluss darauf ausübt, wie Informationssuche von Journalisten betrieben wird. Die Beispiele aus Ägypten und Iran sind nur jene die am bekanntesten sind. Aber es gibt vieles, was über Twitter inzwischen zu einer Informationsquelle macht:

  • Wenn was in der Nachrichtenwelt passiert, wie ein Feuer oder ein Verbrechen, suchen Journalisten nach Twitter in der Nähe des Ort des Geschehens um so eine Auswahl an Informationen aus erster Hand zu erhalten, viel schneller als ein Reporter ggf. vor Ort sein könnte.
  • Erdbeben werden inzwischen schneller bekannt und die Ausmasse ermittelt, in dem man Twitternachrichten ausliesst, anstatt auf Mitteilungen der Nationalen Erdbebenzentren abzuwarten.
  • Durch die Auswertung von Twitter, kann man das Einspielergebnis von Filmen am Eröffnungswochenende viel besser einschätzen, als auf Basis anderer Methoden.

Mit @anywhere wird aber der umgekehrte Weg erstmal angesprochen. Mit deren auf Javascript basierenden zwei Integrationsmöglichkeiten, können Webseiten einfacher Nutzer gezielt z.B. auf Autoren von Artikeln hinweisen und diese mit Hilfe der so genannten Hovercards zu Followern machen. Dabei entfällt für den Webseitenbetreiber die API selbst anzusprechen, sondern die Integration fällt deutlich einfacher.

Publikationen die diese neue Schnittstelle in der letzten Woche integriert haben bzw. dabei sind, befinden sich z.B. New York Times, Wall Street Journal, Ebay, Amazon, Huffington Post und andere.

Jacob Harris, Senior Software Architekt bei der New York Times erzählte wie er @anywhere integriert hat. Jacob, der sich selbst eher als Journalist Hacker bezeichnet, hat vor einigen Jahren dein NYT Twitteraccount eher als Hobby gegründet. Heute hat die New York Times 2,4 Millionen Followers und alle 4 Sekunden wird ein New York Times Storylink gezwittert.
@anywhere wird nach und nach in allen Bereichen integriert, angefangen mit dem BITS Blog. Autoren werden dann passend mit ihren Twitterdaten angezeigt, und wird mit der HoverCard deutlich leichter sein z.B. den Autoren die einen gefallen in Zukunft auf Twitter zu folgen.

Im morgigen Beitrag kommen wir zu einen spannenden Thema und gehen dahin, wo Twitter vorher noch nie jemand gegangen ist – zum Geld verdienen. (FS)


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2 Kommentare zu “Twitschern, Tschilpen, Chirpen – die erste Twitter Developer Conference – Teil 1”

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Twitschern, Tschilpen, Chirpen – die erste Twitter Developer Conference – Teil 1
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