Inside the Churchill Club

Diese Woche veranstaltete der Churchill Club in Montain View wieder einen Event. Diesmal war David Kirkpatrick , Autor des Buches „The Facebook Effect“ . Als Journalist war er 25 Jahre tätig war für das Fortune-Magazin, hat er Anfang 2008 angefangen für sein Buch über Facebook zu recherchieren. Als Gesprächspartner war Kara Swisher, einer der Mitdirektoren der All Things Digital  Conference, die erst vor kurzen von sich Reden machte. Durch die Zusammensetzung des Panels entstand eine sehr lebhafte Diskussion, so das man am Ende nicht von einer Werbeveranstaltung für das neu erscheinende Buch reden konnte.

David berichte anfangs wie er zu dem Thema gekommen ist und das er noch die Gelegenheit bekam vom Facebook CEO Mark Zuckerberg sich die Zusammenarbeit für die Bucherstellung zu sichern, bevor bei Facebook die übliche Bürokratie von zu gross werdenen Firmen eingesetzt hat. Durch sein direkten Zugang zu Mark konnte er viele Fragen beantworten, da nach seinen Bekunden Mark Zuckerberg die totale Kontrolle über alles bei Facebook besitzt und es schafft die Mitarbeiter auf seine Vision einzuschwören.

„There was nothing, they have done, Stanford had tried earlier“

Der Autor zeigte im Rahmender ca. zweistündigen Diskussion eine recht positive und wenig kritische Einschätzung von Facebook und seinen CEO. Hier war aber Kara Swisher eine sehr gute Gesprächspartnerin. Nicht nur streute sie Salz in die passenden Wunden, sondern lies auch sterotypische Antworten nicht zu.

Ein wichtiges Thema war natürlich die Privacy/Datenschutz Debatte. Hie war zwar David der Meinung, dass dies nicht die größte Herausforderung von Facebook für die zukünftige Entwicklung darstellt. Es war aber offensichtlich, dass Kara Swisher aber auch viele im Publikum dies definitiv anders gesehen habe.

Als Begründung nannte David die schnelle Lernkurve vom CEO von Facebook, sowie das Mark sicher mehr Transparenz schaffen wird. Das Argument, dass aber auch die meisten Nutzer – nicht nur bei Facebook – sich einfach um Datenschutz nicht kümmern würden, erntete einigen Widerspruch. Insbesondere Kara Swisher hielt er mehrfach entgegen, dass das ja keine Entschuldigung sei. Verantwortung endet nicht, wenn Nutzer selbst das Problem für sich nicht sehen. Dazu kam, dass Mark Zuckerberg hier keine klare und transparente Position einnahm.

Steve Jobs harte Position schafft auch Sympathien

Sie brachte als Beispiel die Äusserungen von Steve Jobs auf der All Things Digital Konference als Beispiel. Bei aller Kritik an Apples Richtlinien, was veröffentlicht wird und was nicht (Nacktbilder, Pornos, Flash, etc) – Steve Jobs würde öffentlich ie Position vertreten, dass dies seine Firma, sene Produkte und sein Dienst wäre und er möchte dort solche Sachen nicht sehen. Für diese öffentlichen Äusserungen wird Apple ja auch mit Untersichungen diverse Behörden bezahlen. Mark Zuckerburg würde hier keine so klare Position vertreten. Bei manchen Besucher der Veranstaltung schürte das noch den Eindruck, dass die Datensammlungen Teil der Strategie von Facebook ist und man garnicht wirklich darauf verzichten will.

Im weiteren Verlauf gab dann auch David zu, dass er mit manchen Aspekten von Facebook so seine Datenschutzprobleme hat. Wenn beispielsweise ein Nutzer ein Bild hochlädt auf den er selbst auch zu sehen ist und dann „getagged“ und damit indifizierbar wird, wird er nicht gefragt. Selbst wenn er dieses Tag anschliessend entfernen kann, so ist die Information erstmal draussen. Ebenso fragte er, ob mal aufgefallen wäre, wenn man auf einen Foto eines fremden Nutzers getagt worden wäre, dann erhält man nicht nur auf das Bild, sondern auf das gesamte Album des Nutzers Zugriff. Gerade im Bereich Fotos wäre Facebook auch heute noch nicht wirklich sensibel und daher würde er selbst auch keine Fotos auf Facebook hochladen.

Am Ende bleibe er aber bei der Meinung, dass die grossen Risiken von Facebook weniger die Datenschutzdebatte sei, sondern eher die Gefahr durch staatliche Organisationen reguliert zu werden. Sei es in den USA oder durch Entwicklungen im Pakistan oder Italien. Auch das schnelle Wachstum des Unternehmens, wäre ene Gefahr und schwer zu händeln. In 2,5 Jahren von 200 Mitarbeiter auf inzwischen 1400 macht es schwer interne Abläufe und Organisation mitwachsen zu lassen.

Wie schon bei der Twitter Conference wurde auch bei der Veranstaltung eine „Umdefinition“ des Dienstes Facebook vertreten. So wie Twitter sich nicht als soziales Netz sieht, sondern als News Dienst, so vertrat David die Ansicht das die Vision von Facebook nicht die eines sozialen Netzwerkes auf einer Webseite ist, sondern eher jenes ein System die auf das Internet aufsetzt und von anderen Webseiten, Applikationen Und Endgeräten als Unterbau genutzt wird. Anscheinend wird es hip, sich nicht mehr als soziale Plattform zu bezeichnen.

Für ihn ist Facebook das einfachere Internet. Im Vergleich zu Twitter ist Facebook funktionaler. Es hat zwar mit einem ähnlichen Interface wie Twitter begonnen, sich aber im Laufe der Zeit weiterentwickelt.

Insgesamt nahm die Geschichte rund um Facebook eine gewichtige Rolle ein. David vertrat zum Beispiel im Hinblick auf den Rechstreit zwischen den Winklevoss Zwillingen und deren Klage gegen Facebook wegen Diebstahl der Facebook-Idee von deren eigenen Plattform ConnectU eine interessante Ansicht. Er meinte am Ende hätten die Brudder ihr System auch auf Basis von anderen Plattformen wie Club Nexus und von Mechanismen z.B. zur Nutzung von Mailadressen als Authenfizifierungsmethode profitiert.

„Mark do not steel anything from the Twins, what they do not stool from others. The idea was in the air“.

Was sind Facebook Konkurrenten ?

Die Geschichte von myspace, Yahoo, Netscape oder auch den Erfolg von Apple gegen Microsoft im Mobile Devices und Musikmarkt  hat gezeigt, dass kein Unternehmen sich wirklich auf seinen Erfolg ausruhen kann und Fehlentscheidungen auch Konkurrenten beflügeln können. Facebook könne hier nicht paranoid genug sein.

Als zwei Beispiele für Firmen die in Ihren Bereich ein grosses Erfolgspotential hätten wären FourSquare mit seinen GEo-Lokalisierten Diensten oder moderne Formen der sozialen Interaktion wie Chatroulette. Auszuschliessen ist das nicht. Ein wichtiges Indiz für einen potentiellen Erfolg einer neuen plattform ist für mich immer auch die Erwähnung oder Integration in Storylines von US Fernsehserien. Gerade Chatroulette kann hier schon die ersten Erfolge verbuchen, so tauchte die Plattform erst vor kurzen in einer der populärsten Folgen der NBC Fernsehserie NCIS auf. Auch der twitter-Nutzer mit den meisten Followern – Ashton Kutcher – ist schon auf Chatroulette gesichtet worden.

Das Unternehmen jedoch mit den größten Resourcen und Potential hier tätig zu werden, steht eher in der zweiten Reihe. Google hat laut David hier nicht die Zeichen der Zeit verstanden und wäre bei seiner Datenzentrierten im Vergleich zur Menschenzentrierten Sicht wie bei Facebook verblieben. Dabei hatte Gogole schon im jahre 2004 mit Orkut auf Basis des Club Nexus eine soziale Plattform entwickelt und hätte diese zur weltweiten Sozial Media Plattform lange vor Facebook oder Twitter ausbauen können. Es wurde aber nur als Projekt innerhalb von Google weitergeführt und hat heute in Indien und Brasilien eine starke Nutzerbasis und damit nur eine regionale Bedeutung.

Wie koennte die Zukunft von Facebook aussehen ?

Wenn es wiederum nach dem CEO gehen würde, würde Facebook wohl eher nie an die Börse gehen. Das ist eine der Gründe, wieso die Anzahl der Investoren in Facebook so gering ist, um den Druck öffentlich zu gehen gering zu halten. Gleichzeitig sind aber auch Zusammenschlüsse oder der Verkauf von Facebook nicht sehr wahrscheinlich. Nach vorsichtiger Schätzung hat Facebook einen Wert von 27 Milliarden USD. Ein eventueller Käufer müsste nicht nur einen deutlich höheren Kaufpreis bezahlen, sondern müsste gleichzeitig Mark Zuckerberg auch in Zukunft völlig freie Hand lassen. Solche potentiellen Käufer gibt es nicht sonderlich viele.

Facebook hat eine enge Kooperation mit Microsoft, hat gute Kontakte mit Yahoo und mit Zynga einen Partner, dessen Spiele eine der Erfolgsfaktoren von Facebook sind. In einen anschliessenden Gespräch ging er dabei noch auf die Entwicklungen ein, dass Zynga mit einer iPhone Applikation und einer Kooperation mit Yahoo anscheinend eine gewisse Unabhägngikeit voN Facebook erreichen will. David hält das in Teilen von Zynga von einer Strategie, um Verhandlungspositionen zu verbessern. Am Ende wäre die Zusammenarbeit aber sehr eng, so wäre der Zynga CEO Mark Pincus der einzige den Mark Zuckerberg alle zwei Wochen über lange Zeiträume getroffen hätte. Zynga ist von den 100 Millionen Nutzern auf Facebook abhängig, da diese kaum auf eine andere Plattform mit umziehen würden. Umgekehrt geht er davon aus, dass Zynga einen gröseren Anteil an der Werbung/Einnahmen wie die obligatorischen 70% von Facebook erhaten würde.

Obwohl Facebook und Microsoft miteinander verbunden sind, nimmt ich Facebook eher als Google als Vorbild. Viele Mitarbeiter sind von Google abgeworben worden und arbeiten heute bei Facebook. Seien es der deutsche Commercial Director Scoot Woods, der ehemalige PR Chef von Google Elliot Schrage oder andere.

Mit Microsoft hat man aber den besseren Partner auf Dauer. Bei Google bestände immer die Gefahr, dass Google das System integriert und Mark Zuckerberg die Kontrolle über die Entwicklung verlieren würde. Umgekehrt könnte Facebook für Microsoft die Waffe sein, um Google im Suchmaschinenmarkt weiter Konkurrenz zu machen.

Als letzten grossen Mitspieler dürfe man Apple nicht übersehen. Apple wäre der Inebgriff einer „unsozialen Firma bzw. Produkte“, aber für Facebook ist Apple durch das iPhone relevant. Das Facebook App ist das erfolgreichste App vom iPhone. Umgekehrt nimmt David an, dass von der Nutzungszeit die Facebook Applikationen auf dem iPhones einen sehr grossen Anteil ausmachen und das iPhone auch ohne diese Nutzungsmöglichkeit von Facebook nicht so erfolgreich geworden wäre. Ob das wirklich so ist, bleibe dahingestellt. Auf den ersten Blick scheinen nicht nur Apple und Facebook zu unterschiedlich zu sein, sondern auch die beiden CEOs Steve Jobs und Mark Zuckerberg. Und die wenige Überstimmung – beide könnte man als Kontrollfreaks  bezeichnen – steht wohl einer engeren Zusammenarbeit sicher auch eher entgegen.

Der Wachstum von Facebook wird aber sicher weitergehen. Heute zählt Facebook eine halbe Milliarden Nutzer und der Autor schätzt, dass sich dieses bis zum nächsten Jahr weiter verdoppeln dürfte. (AE/FS)

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