Kommunikation mit Ausserirdischen

Kommunikation mit Ausserirdischen

Wie kann und sollten wir mit Außerirdischen kommunizieren?  Es ist nicht überraschend, dass eine Reihe von Vorträgen und Diskussionen auf der SETIcon 2010 sich mit diesen Thema befassten. Dabei kamen technische Fragen genauso zur Sprache, wie Fragen der Auswirkung, der Kommunikationsinhalte und auch soziale und politische Fragen auf.

Sollten wir überhaupt auf uns selbst aufmerksam machen? Welche Informationen über uns sollten wir preisgeben?

Die Antworten waren so zahlreich wie die Fragen. Nicht alle Fragen waren dabei so prägnant wie jene von Seth Shostak, Senior Astronomer am SETI Instituts. Er antworte auf die Frage, was man senden sollte lapidar: “Wir senden ihnen das Internet. Am besten Google.“. Damit hätten Ausserirdische ja ein guten Querschnitt der Menschheit. Unter dem Gesichtspunkt stellt sich so manche Diskussion um das Zugangserschwerungsgesetz gar völlig neu.

In den Diskussionen kam immer wieder zur Sprache, es sei am wichtigsten unsere Erfahrungen mit jenen der Außerirdischen in einen Rahmen zu bringen. Es ist schlussendlich alles eine Frage der Erfahrung. Am ehesten lässt sich nun mal die Welt über Mathematik und Chemie erklären. Die Elemente des Universums sind überall gleich. Auch Aliens haben daher die gleichen Ausgangsvoraussetzungen. Dieses lässt zu, dass die Welt dann über die Wissenschaft einfach zu erklären ist. Die Natur spiegelt sich in mathematischen Sequenzen wieder. Symmetrie ist ueberall zu finden.

So können man beispielsweise Farben mathematisch ausdrücken. Farben sind Schwingungen, Wellenlängen und Amplituden, die den Frequenzen der Erde, des Himmels und des Kosmos entsprechen. Um Aliens einen Eindruck von der Erde zu vermitteln, könnte man ihnen die Frequenz der Farbe BLAU übermitteln.

Podiumsdiskussion auf der SetiCON 2010

Podiumsdiskussion auf der SetiCON 2010

Sag es mit Musik

Wenn man dann über Musik kommunizieren will, sollte man am besten Barock schicken, so Pierre Schwob . Geeignet wären die Goldberg Variationen, Bach lässt sich mathematisch erschließen.

Im Barock schrieb kein Komponist Melodien intuitiv und komponierte einfach nur so. Jeder Komponist kannte die stilistischen Mittel und Werkzeuge und setzte  sie möglichst effektiv ein um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. In diesem Sinne ist die Musik des Barock mathematisch oder wissenschaftlich zu nennen. Die Komplexität der Barockmusik wird speziell im Kanon oder in der Fuge deutlich. Praktisch zur Vollendung brachte dieses Johann Sebastian Bach. Musik kann man mathematisch und physikalisch beschreiben. Bereits Pythagoras hat das Verhältnis der Frequenzen von verschiedenen Tönen berechnet. Dazu verwendete er die Mathematik, um die Musik zu beschreiben. Er stellte die pythagoreische Tonskala auf. Hierbei verwendete er eine Saite, um die Tonverhältnisse zu bestimmen. Eine Saite hat einen bestimmten Grundton. Pythagoras stellte fest, dass der gleiche Ton eine Oktave höher erklingt, wenn man die Hälfte der Saite abklemmt. Die Quinte erklingt, wenn man zwei Drittel der Saite, die Quarte, wenn man drei Viertel anschlägt. Mit diesen Beobachtungen berechnete er den Rest der Skala.

Die Frage ist nun, was ein Alien empfinden wird, sollte er mit dieser Art von Musik konfrontiert werden. Das exterrestrische Leben zu verstehen, wird deutlich dazu beitragen, uns selber zu verstehen, so Schwob. Wir sollten daher charakteristische Signale senden.

Sobald wir eine Basis für die Summe gefunden haben, können wir einander Mathematik beibringen. Dieses bezieht sich nicht nur auf Alien Kulturen, sondern auch auf alle humanoiden. Aber wie soll man eine Basis für das Miteinander bei exterrestrischen Lebensformen finden, wenn wir schon keine Basis untereinander finden. Hierbei sind Missverständnisse vorprogrammiert.

Sich die Welt über Naturwissenschaften und Musik zu erschließen, setzt eine gewisse Grundintelligenz voraus. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass irgendeine Art der Mathematik logisch für die Aliens sein muss. Es ist dabei nur die Frage was sie mögen. Wir sind durch unsere Sozialisation so konditioniert , dass wir nicht entscheiden können, was ihnen gefallen würde und was nicht.

Arecibo Message

Arecibo Message

Was kann man kommunizieren?

Die Antwort ist einfach: Mathematik und Wissenschaft. Alles was symmetrisch ist, erschließt sich dem Gegenüber einfacher. Hierbei stellt sich die Frage, was wir dem anderen vermitteln wollen, wenn er vor uns stehen würde. Die Art oder das Kriterium der Nachricht sollte simpel sein. Es ist eine Herrausvorderung, an dieser Stelle gibt es kein richtig oder falsch. Jedes Leben hat Visionen. Schlussendlich haben wir einen eigenen Rhythmus tief in uns drin: Den Herzschlag.

Die Mathematik stellt dabei auch eine gute Basis dar. Die Mathematik war schon die Grundlage für die (real gesendete) Arecibo Nachricht, mit der Frank Drake, Carl Sagan und ein Team weiterer Wissenschaftlter im Jahr 1974 die erste aktive Sendung verschickte.

Robert J. Sawyer

Robert J. Sawyer

Ebenso verwendete Robert J. Sawyer Beispiele dieser mathematischen Nachrichten als Fiktion in diversen Romanen wie z.B. „The Golden Fleece„. In einen anderen Vortrag rekapitulierte der Autor wie die Protagonisten seiner Geschichten die Nachrichten halfen zu erschliessen. Wer beispielsweise wissen möchte, wieso sich der Protagonist umbrachte, der als erster die Nachricht von Epsilon Eridani entschlüsselte, möge sich die Geschichte „Factoring Humanity“ zu Gemüte führen.

Interstellare Verhaltensweisen

Es wurde auch der Frage nachgegangen, ob wir überhaupt gefunden werden wollen. Eine wichtige Frage dabei wäre z.B. ob das SETI Institut im Falle des Empfanges einer Nachricht bekanntgeben sollte, von welchen Stern das Signal empfangen wurde. Schliesslich wäre jeder in der Lage dann dort Signale hinzusenden und damit die Menschheit zu representieren, einschliesslich Fanatiker oder andere Gruppen. Das ist sehr wohl eines der Aspekte, über die man sich Gedanken machen müsste.

Dann würde aus SEIT schnell METI werden (Messaging Exterrestical Intelligence). Einer der erbittertsten Gegner vom Broadcasten ist Stephen Hawking. Es ist eine Frage der Risikoanalyse. Das Risiko nur zu suchen ist entscheidend geringer, als aktiv zu senden. Die Ansicht wurde aber von der Mehrheit nicht geteilt. Seth Shostak brachte hier es auf den Punkt

Never go hunting water!

Das Hauptgegenargument ist also: Die Energie, die in eine tatsächliche Reise zur Erde investiert werden müsste, ist viel grösser als der eigentliche Nutzen um Rohstoffe, welche auch immer, von hier zu beschaffen.

Ob das Argument so wirklich im Raum stehen gelassen werden sollte, wäre zu durchdenken. Schon im Buch „Contact“ von Carl Sagan, wurde die philosophische Frage gestellt, ob man eine Maschine deren Bauanleitung man empfangen hat, nicht eine Weltuntergangsmaschine sein könnte. Interstellare Trojaner und Viren sind nicht auszuschliessen.

Nicht-Kommunikation als kategorischer Imperativ

Aber was ist, wenn die Aliens das gleiche denken: Lauschen statt Reden? Warum sollten wir gerade die ersten sein, die laut schreien: Pick me!  Das Interessante ist, dass alle Menschen, egal ob sie eine Affinität zu Science Fiction haben oder nicht, fasziniert und begeistert von der Raumfahrt sind. Eine weitere Frage ist, was wir für Informationen weitergeben sollten. Es gibt eine Charta namens “Declaration of Principles Following the Detection of Extraterrestrial Intelligence,” die den Umgang beim ersten Kontakt regeln soll. Schlussendlich sollte es aber in den Händen der Menschen liegen und nicht in einer übergeordneten Organisation. In diesem Moment kann man schlecht mit dem Argument kommen, dass die „Welt von einer übergeordneten internationalen Kommission“ geschützt wird.

SETI hat daher das Projekt „Earth speaks togehter“ ins Leben gerufen.  Dazu sind alle Menschen weltweit eingeladen, Bilder, Sound-  und Text-Nachrichten einzureichen, die sie in eine andere Welten wollen. Das Projekt zielt darauf ab, einen Dialog zu kreieren über das, was wir zu sagen haben. Ob es jemals versendet wird, ist noch nicht klar.

Im Endeffekt dürfte jede Gesellschaft , die in der Lage ist uns zu finden, mehr als 100 Jahre Wissensvorsprung uns gegenüber besitzen.  Das was wir tun ist also kein Geheimnis für sie, da sie bereits ein insgesamt größeren Wissensschatz haben. Sie können seit theoretisch 70 Jahren unsere Existenz zur Kenntnis genommen haben, den solange strahlt die Erde schon leistungsstark genug in den Weltraum.

Allerdings is die Prämisse eher unwahrscheinlich. Basierend auf der Drake-Formel wäre jeder andere technologische Zivilisation vermutlich mehrere hundert Lichtjahre entfernt. Diese haben am ehesten unsere Planeten gefunden und können basierend auf Spektralanalyse der Atmosphäre zumindest auf pflanzliches Leben schliessen. Eventuell durch den Verschmutzungsgrad könnte man noch vermuten, dass eine technologische Zivilisation existiert, aber selbst dafür könnte es auch viele natürliche Ursachen geben. Solche Entdeckungsmöglichkeiten erarbeitet sich die Menschheit mit Projekten wie die Kepler-Raumsonde und der systematischen Planetensuche ja ebenfalls gerade. Ausserirdische haben daher höchstwahrscheinlich noch keine Ahnung von unserer Existenz.

Im umgekehrten Fall, sieht es ebenfalls nicht anders aus. Empfangen wir ausserirische Signale, kann daraus ebenfalls auf eine technologisch weiterentwickelte Zivilisation geschlossen werden. Der alleinige Empfang vom einem Signal bedeutet nicht, dass wir sie auch zwangsläufig treffen werden.  Zur Zeit könnten wir mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, unser eigenes Signal 0,05 Lichtjahre weit empfangen.  Bei dem Empfang von einem Signal wird es uns weitere 10 Jahre kosten, um ein entsprechendes Superteleskop zu bauen und dann stellt sich noch dazu die Frage, ob wir das Signal entschlüsseln können.

Sollten wir einmal den Beweis für SETI haben, wird dieses das Ende der bisherigen Geschichte sein. Damit wird ein neues Zeitalter anbrechen, so Frank Drake – der eigentliche Gründer der SETI-Forschung.  Wir haben die letzten 50 Jahre nur noch nichts gefunden, da wir technologisch noch „im Sandkasten spielen“.  Sie gehen fest davon aus, dass wir in den nächsten 25 Jahren etwas finden werden. Es wird die Menschheit spalten, alles dagewesene wird in Frage gestellt werden. Er sagte, dass der Mainstream der Religion es akzeptieren wird, da Glaube nichts mit Ausserirdischen zu tun hat. Die Fundamentalisten könne man dann am vehementen Leugnen der wissenschaftlichen Tatsachen ausmachen, wie es bereits zur heutigen Zeit der Fall ist.

Anders als noch vor 20-30 Jahren, wird heute viel weniger bezweifelt, dass wir nicht allein im Universum sind. Schon die Entdeckung zahlreicher extrasolarer Planeten hat hier das Denken massiv beeinflusst. Es wird davon ausgegangen, dass 5% aller Planeten in der Milchstraße erdähnlich sind. Die Erde ist kein Mysterium, es ist schon oft und überall passiert und wird immer und immer wieder passieren.  (AE/FS)

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SETIcon 2010 – Teil 2: Im Gespräch mit ET
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