Twitter: Chance oder Risiko

Twitter: Chance oder Risiko

Ein einzigartiges Konzept verfolgt die 140conf, die zeitgleich zur SES 2010 stattfand: Jeff Pulver lädt hierzu verschiedene Sprecher aus verschiedenen Branchen ein, die über ihre Erfahrungen mit dem Medium Twitter berichten.

Die Regeln sind einfach: Einzelvorträge von 10 Minuten, Vortrag mit Notizen nicht länger als 15 Minuten, Diskussionen von 10 – 20 Minuten Dauer. Dadurch kann eine große Übersicht gewonnen werden, wie der Microblog genutzt werden kann. Die Vorträge bauen inhaltlich nicht aufeinander auf. Vielmehr lebt diese Veranstaltung von ihrer Vielfalt.

Twitter hat zur Zeit den größten Effekt darauf, wie sich die Welt verändert. Allerdings trennt uns die Technologie oftmals von der Menschlichkeit. Von daher ist es wichtig, auch ohne die Technologie kommunizieren zu können. Die Diskussion der schwindenden Humanität durch den Fortschritt ist ein altes und eher philosophisches Problem, wurden doch schon immer in der Menschheitsgeschichte bei jeder Neuerung der Weltuntergang zelebriert. Es ist wichtig, aus dem Internet vom „web of we“ zum „web of me“ zu kommen. Das Zauberwort heißt Personalisierung. Twitter macht dieses mit der Timeline des Users. Er bekommt die speziellen und persönlichen Nachrichten seiner eigenen Follower oder Listen geliefert, kann hiermit gezielt in „seinem Internet“ nach Informationen suchen.

Das eigene Tagebuch für die Ewigkeit

Das Interessante an den Timelines der Microblogs wie Facebook und auch Twitter ist, dass es damit möglich wird, eine Art von eigenen, persönlichen Tagebuch zu führen. Das ist ein sehr faszinierender Ansatz, der bei manchen Diskussionen und Entwicklungen schon wieder aus den Augen verloren wird. Hierbei führen auch Menschen ein Tagebuch, die sonst nie in ihrem Leben daran gedacht hätten. So könnten – in der Theorie – unsere eigenen Enkel und Urgroßenkel nachlesen, was die Großeltern damals so gemacht haben. So ist das Real Time Web von der Definition her „über uns“ und dass, was wir über uns selber sagen.

Jeff Pulver auf der #140 conf in San Francisco

Jeff Pulver auf der #140 conf in San Francisco

Die Berühmtheiten dieser Szene sind Menschen wie Du und ich – Menschen mit ihrer eigenen Persönlichkeit, die durch ihre eigenen „Macken“ und Kommentaren zu den VIP’s der Szene werden. Dieses ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Die Leute haben noch nicht das Wissen, um mit derartiger Offenheit umzugehen, die Gesellschaft ist noch nicht so weit. Die persönliche Geschichte des Users ist immer die seines eigenen persönlichen Strebens und Erfahrungen. Jeder möchte der Menschen die er kennt, mit etwas für immer in der Erinnerung bleiben.

Der Schneeballeffekt ist hierbei nicht zu unterschätzen. Wenn einer der Prominenten der Szene eine Aktion oder Sache befürwortet, besteht eine hohe Chance, dass die anderen mitziehen. Als Beispiel wurden hierzu die City Apps genannt. Zuerst wollte sie keiner haben und später dann haben viele andere Städte nachgezogen.

Real Time und Location Based

Als besonders herausgehoben wurde die Kombination von Twitter und Google. Twitter kann durch die Echtzeit genaue Informationen über den Standort geben, Google kann die Nutzer mit den notwendigen Informationen darüber versorgen. Durch die Kombination könnte man die User miteinander und mit speziellen Angeboten verbinden. Es wäre denkbar, gleich Angebote für Restaurants oder Gutscheine für Shops in der Nähe anzubieten. Dazu muss aber die Information vorhanden sein und auch top aktuell. So kann der Interessierte die Plätze „checken“. Hierbei ist de Location der fundamentale Part von allem. Die Communitybildung findet in dem Fall über die eigene Verbundenheit mit dem Ort statt. Dadurch wird auch die Kommunikation untereinander, virtuell sowohl als auch real gefordert. Es wird die Leute sozial zusammenbringen.

Als Hinweis für die Zukunft gaben sie den Tipp, dass die Zukunft eben in diesen Real-Time-Location-Based Anwendungen liegen würde. Schon jetzt probieren Portale wie Foursquare, Gowalla oder Loopt auf diese Weise die Menschen mit bestimmten Orten zu verbinden. Das futuristische Prinzip ist einfach: Ich traue mehr meinen Freunden, Menschen die ich kenne und die persönlich dagewesen sind, als irgendwelchen alten online Rezessionen. Das Alles bringt gute und kostenlose Reputation.

„One cloud change the world with 140 chars!“ Dom Sagolla @dom

Was nie bei der ganzen Onlinecommunity und dem eigenen Engagement mit Social Media vergessen werden darf ist, dass immer an die eigene Selbstzensur gedacht werden sollte. Wenn etwas online ist, dann für immer. Das Internet vergisst nichts. Alles kann positiv und auch negativ auf einen zurückfallen. Gelöscht ist nicht gleichzusetzen mit gelöscht, ist ein Statement raus, ist es für immer da.

Dabei ist nicht nur an die eigene Selbstzensur zu denken, sondern auch an die Kommentare von Kunden. Durch das Microblogging musste die Bedeutung von Kommunikation neu definiert werden. Die Stimme des Kunden ist nun omnipräsent und das Medium lebt von der aktiven Interaktion mit dem Kunden. Unternehmen müssen hierbei wieder lernen, mit dem Kunden umzugehen.

Marke als Person

Microblog #140conf

Microblog #140conf

Die soziale Veränderung hat auch schon in den Marken selber eingesetzt. Es wird nicht mehr das Produkt selber wahrgenommen, sondern die ausschließlich die Marke und diese dabei wie eine eigenständige Person. Leider haben viele Organisationen sich diese neue Art von Kommunikation noch nicht verinnerlicht. Dazu müssen Verhaltensregeln entwickelt werden, wie mit den neuen Medien umzugehen ist. Durch die Rezeption der Marke als Person eröffnen sich viele neue Möglichkeiten die vorher noch nicht da gewesen sind.

In diesem Fall wurde von gender trust gesprochen: 80% der Followers ist hinter spezifischen Nachrichten der Brand interessiert und 20% an persönlichen und privaten Geschichten. Der persönliche Weg ist der,  über die eigene „Freundesliste“ die Verbundenheit zu generieren und über den spezifischen klare Aussagen und Fakten über die eigentliche Marke zu machen. Es ist hierbei wichtig, die richtige Balance zu finden. Dabei kann man auch die Community befragen was sie hören will, was ihr gefällt und was nicht und darüber dann die Strategie anpassen. Der größte und wichtigste Punkt zwischen der eigentlichen Marke und der Community ist, dass das über diese gewonnene Vertrauen und auch die Kundenbindung. Diese enge Verbundenheit mit der „Person der Marke“ ist besser als jede Marketing Kampagne. Wichtig sind hierbei die Co-Tweeter, die die Statements der Organisation als RT weiterverbreiten.

Motto der 140conf

Motto der 140conf

Inspiration Twitter

Twitter ist ein inspirierender Ort. Jeder kann ein „spirtueller Führer“ werden, da die Menschen zuhören. Jeder kann einfach Zuhörer und Sprecher sein. Neue Kontakte zu finden sowie Menschen, die es interessant finden, was eine andere Person, Marke, VIP zu sagen hat, gibt es viele. Die Sucht nach Aktualität ist groß und Microblogging kann sie bedienen.

Die Idee von Jeff für die #140conf ist auf jeden Fall hochinteressant. Es ist gut zu wissen, dass es auch Vertreter des „basisdemokratischen Twitter“ existieren und auch diesen Aspekt der sozialen Netzwerke immer wieder in Erinnerung rufen. Am Ende lebt Twitter von den Menschen und das was sie daraus machen und nicht von der reinen kommerziellen Nutzung.  (AE)

Tags: , , , ,   



   ShortNews Shortnews melden  Artikel drucken
  EBook download

Schreibe einen Kommentar

Twitter oder wie 140 Zeichen des „Echt-Zeit“ Web die Welt verändern
Impressum | Datenschutz | Regeln | Haftung | Copyright © The Silicon Valley Experiment. All rights reserved.