NCIS FanFest 2010, image by rpforney

NCIS FanFest 2010

Conventions sind in den USA weit verbreitet. Star Trek, Stargate, Battlestar Galactica oder auch Filmreihen wie die Twilight-Saga haben gleich mehrere Events über die gesamte USA verteilt.

Seit 2006 hat auch die Fernsehserie NCIS eine „Art“ Convention. Es ist allerdings privat organisiert und nennt sich NCIS Fanfest 2010.

Die erfolgreiche Fernsehserie aus den USA wird in Deutschland bei SAT.1 gesendet und hat auch hier eine breite Fanbasis mit Forum und Wiki.

Verglichen mit den Conventions wie z.B. Creation Entertainment sind diese daher weniger professionell organisiert. Auch wenn es ein Programm gibt, sind insbesondere Besuche von Schauspielern der Serien NCIS und NCIS: Los Angeles nie sicher und können eventuell auch ganz ausbleiben. Auch Besuche, wie in Vancouver des Stargate-Sets wie sie in den Vorjahren angeboten wurden, waren hier diesmal nicht möglich.

Gerade der Unterschied zu professionellen Conventions machte es interessant, dass NCIS Fanfest zu besuchen. Neben der obligatorischen Kostümparty am Vorabend began die Veranstaltung mit dem Reality-Check. Dazu weiter unten mehr. Insgesamt,wurde ich schätzen, waren 150 Besucher anwesend, davon ca. 80% Frauen. Ca. 10-12 Teilnehmer aus Deutschland wurden gesichtet.

Abends fand eine Charity-Veranstaltung statt, auf der unter anderen für Weihnachtspakete für die Soldaten in Irak und Afganistan gesammelt wurde und jeder auch persönliche Briefe an diese schreiben konnte. Eine Auktion von Plakaten und Paken rund um NCIS und NCIS: Los Angeles war ebenfalls vorgesehen. Darüber hinaus hatte jede Figur der Serie einen eigenen Stand, an dem die Organisatoren Tickets für eine Tombola verkauften und auch jeder Teilnehmer eine kleine Tüte als Besuchergeschenk erhielt. Diese waren von Fans, die das Fanfest organisieren, beigesteuert worden. Dabei hatten sich einige mit selbstgebastelten Souveniers richtig viel Mühe gegeben.

NCIS – Reality Check

Der NCIS Special Agent Michael J. Devine berichtete von seiner Arbeit. Der Doktor im Bereich Crimincal Justice hat als Polizist angefangen und war später zum NCIS gewechselt. Er berichtete von einigen seiner Fälle, die über Drogenkriminalität und Spionage bis hin Vergewaltigungen und Mord reichen. Er berichtete von verschiedenen Fällen, dabei konnte er diese schon einigermassen lustig erzählen. So berichtete er, wie er ein Geständnis  unter Nutzung eines Xerox-Kopierers erreicht hatte, indem er diesen dem Verdächtigen als Lügendetektor  verkauft hatte. Auch die Strategie ,einen anderen Verdächtigen vor die Wahl zu stellen, entweder eine Aussage zu machen oder ihn mit Hilfe eines „Hinternabdruckes“ als Alternative zum Fingerabdruck zu überführen, gehörten dazu. Außerdem erzählte  er von seinen Auseinandersetzungen mit Staatsanwaltschaften oder Gerichten.

Er berichtete auch über Spionagefälle wie die des Colonels Richards der Marines, der 10.000 Unterlagen beiseite schaffte um Spielschulden zu bezahlen, gleichzeitig aber dreimal im Irak war und den Bronze Star verliehen bekam. In einem anderen Fall ging es um ein Gerät, welches am ehesten für die Entwicklung von Atombomben genutzt werden kann. Es wurden allerdings auch Exemplare nach Dänemark verkauft. Die Untersuchung vor Ort ergab jedoch, dass diese an Länder weiterverkauft wurden, sie solche Geräte nicht gern erhalten sollten.

NCIS - überall Waffen

NCIS - überall Waffen

Im Hinblick auf die Fernsehserie konnte er berichten, dass es schon einige Unterschiede gibt. Während in der Fernsehserie die Agenten ständig ihre Waffen einsetzen, musste er in seiner langjährigen Tätigkeit dies nicht ein einziges mal tun. Er berichtete, dass die Aufgabe, die Special Agents Gibbs in der Fernsehserie hat, am ehesten mit einen Supervisor Special Agent zu vergleichen wäre, ein solcher aber eher ein Schreibtisch-Agent wäre und nicht im Aussendienst tätig wäre. Er meinte aber, dass die Fernsehserie nicht nur erheblich zur Bekanntheit des NCIS beigetragen habe und die Häufigkeit der Frage „N C I what?“ reduziert hat. Insbesondere wären daurch aber auch die Bewerbungen – insbesondere von hochqualifizierten Personal – stark gestiegen.

Danach trat Craig Harvey vom LA County Department of Coroner auf. Dabei war er nicht, weil er u.a. für die von Obduktion von Michael Jackson zuständig war, sondern da er als Berater für Fernsehserien fungiert – unter anderen für NCIS. Er erzählte etwas aus seiner Arbeit als Coroner, auch darüber wie die Zusammenarbeit mit den Produzenten und Autoren der Fernsehserien abläuft. Nach seiner Meinung wird in NCIS die forensische Arbeit sehr akurat dargestellt, wobei Untersuchungsergebnisse in TV Serien natürlich viel schneller vorlägen als in der Realität. Er akzeptiert dies als Teil der Dramaturgie, wobei dies natürlich auch in Gerichtsprozessen schon zum CSI-Effekt geführt habe. Er erzählte, dass David McCallum, Darsteller des Gerichtsmediziners „Ducky“ Mallard sich schon gleich zu Anfang der Serie die Arbeit des Gerichtsmediners erläutern lies und auch einer echten Obduktion teilnahm. Hauptdarsteller aus anderen Serien wie z.B. aus der Fernsehserie „Bones – Die Knochenjägerin“  haben dies beispielsweise erst getan, als die Serie schon 5 Jahre lief. Allerdings merkte er auch an, dass am Anfang korrekt z.B. der Todeszeitpunkt des Opfers mit einen Leberthermometer festgestellt wurde, wenn auch häufig übertreiben genau der Zeitpunkt angegeben wurde. In den letzten Folgen wurde allerdings ein Infrarot-Thermometer zum Einsatz kommen, was in der Praxis aber so nicht funktionieren würde.

Requisiten verraten Details

Doug Reilly, Graphic Director für NCIS brachte einige Requisiten aus der Serie mit und berichtete von seiner Arbeit. Viele der Requisiten werden dabei extra für die Serie gefertigt, Bilder mit Photoshop montiert, aber manchmal kommen auch entsprechende Stücke einfach aus Geschäften oder werden gefunden.

Im Fall des aus der Serie bekannten Hippos ist es sogar so, dass die Herkunft für viele Jahre nicht bekannt war und für den in der Serie immer wiederkehrenden Hippo im Notfall kein Ersatz existierte. Zwar verkauft CBS über seinen Shop den Hippo, dass ist aber keine echte Replik und zudem kleiner.

Zu einigen der Requisiten gibt es auch interessante Details, die  im Fernsehen natürlich nie wahrgenommen werden können. In Serie wird dem Teamleiter Jethro Gibbs regelmäßig eine Medaille und Urkunde verlieren, die er jedoch nie abholt. Eine dieser Urkunden aus der letzten Staffel konnte nun näher betrachtet werden. Allerdings hätte jeder erwartet, dass die Urkunde vom Secretary of the Navy unterzeichnet wurde, aber offensichtlich untersteht die Behörde doch jemand anderen…

Wer schon immer ein Blick in die Heftsammlung „Abby Lab for Dummies“ schauen wollte, hatte ebenfalls die Gelegenheit dazu. Auch wenn die Heftsammlung viele Seiten beinhaltete, gab es am Ende allerdings nur drei Innenseiten, die sich immer wieder und wieder wiederholten. Auch Graphic Designer übertreiben es nicht, und ob der Inhalt wissenschaftlich akkurat ist, mag bezweifelt werden.

Die Personalakte von Leroy Jethro Gibbs wiederum verrät interessante Details, wie das Geburtsdatum (21.3.1974), Gewicht (84kg) oder Körpergröße. Natürlich sind auch eine Reihe Telefonnummern angegeben, aber so wie alle in amerikanischen Fernsehserien beginnen diese mit 555. Die Rufnummern 555-0100 bis 555-0199  sind extra für diese Fälle reserviert und werden daher von den Telefongesellschaften auch nicht vergeben.

Aus dem selben Grund besteht auch keine grosse Chance, dass bei Nutzung der Rufnummern der Visitenkarte von Ziva David  wirklich eine Damenstimme am Telefonhörer zu hören sein wird. Allerdings dürfte die Visitenkarte der bei Fans verbreiteten Theorie neue Nahrung geben, dass zwischen ihr und Tony mehr als eine Berufsbeziehung existiert – wenigstens, wenn auf die Mailadresse geachtet wird.

Die Akte über Abby Sciuto der Tarburst Group wiederum verrät relativ wenig Details, allerdings kann man einen Blick in das Empfehlungsschreiben werden, welches in einer Folge zur  Zwangsrekruitierung durch das FBI führte. Allerdings zeigt die Akte doch die Zugehörigkeit von NCIS zu den Mysteryserien, denn wie sonst sollte in die Akte über Abby ein Bericht von Mulder und Scully gelangt sein?

Bei Anruf Tanz

Am Samstag nachmittag traten dann einige Autoren der Serie und einige Schauspieler der Serien NCIS und NCIS: Los Angeles und erzählten von der Arbeit, nette und gemeine Geschichten über Kollegen und beantworten Fragen aus dem Publikum. Vormittags kamen Daniela Ruah, Darstellerin der Figur Kensi Blue, und der Schauspieler Peter Cambor, der in der Serie Nate „Doc“ Getz spielt. Sie erzählten von der Entwicklung der Figuren nach der ersten Staffel der Serie.

Nachmittags waren dann die Vertreter der Mutterserie NCIS da, die jetzt gerade in die 8. Staffel gestartet ist. Rocky Carroll (Director Leon Vance), Joe Spano (FBI Agent Fornell) und Brian Dietzen (Jimmy Palmer) gaben sich dabei die Ehre. Auch sie erzählten einiges über ihre Erfahrungen mit der Serie, wie sie arbeiten, und auch hier gab es einige lustige Geschichten zu hören.

Abends gab es dann noch eine Autogrammstunde und eine Auktion. Bei der Autogramstunde waren mit Muse Watson, dem Darsteller vom Mike Franks, und dem deutschstämmigen Rudolf Martin, der in den ersten beiden Staffeln den Mossad Agenten Ari Haswari spielte, dabei.

Ausserdem waren noch zwei Schausspieler von NCIS: Los Angeles dabei: Ronald Auguste, dessen Figur „Moe“ in der zweiten Hälfte der ersten Staffel auftaucht, sowie Adam Jamal Craig als Dom Vail. In der Auktion wurde für wohltägige Zwecke alles vom iPod Touch mit vorinstallierten NCIS-Spiel bis hin zu Drehbuchscripten und Garderobe aus der Serie versteigert, wie z.B. ein Kleid der Figur Ziva David oder Jacken der Figur des Special Agents Gibbs. Dabei war die Preislogik nicht immer gegeben. So gingen der iPod Touch aber auch ein Armani-Jacket von Gibbs sicher weit unter dem Preis weg.

Kurz vor 15 Uhr rief dann noch Pauley Perrette, alias „Abby“ Sciuto an. Was viele der Fans wissen – jedoch offensichtlich ihre Kollegen nicht –  hat diese über Twitter vor einer Weile zu regelmäßigen 3-Uhr-Tanzpausen aufgerufen. Ein gutes Beispiel, dass jemand mit 20.000 Followern wie Pauley mehr Einfluss durch Social Media haben kann, als ein Ashton Kutcher mit fast 6 Millionen. Dabei ist sie noch nicht lange auf Twitter, sondern musste sich erst im letzten Jahr eines Fake Twitter Account erwehren.

Auf YouTube und anderen Medien dokumentieren seitdem viele diese „Unsitte“. Sie rief natürlich an, um auch die Teilnehmer des NCIS Fanfest (und ihre Kollegen) ebenfalls zu diesen Tanz aufzurufen. Pünktlich um 3 Uhr nachmittags ging es dann los…

Bevor die Schauspieler auftraten, bekamen die Besucher noch die Gelegenheit, eine ungesendete Folge der NCIS-Serie zu sehen. Dafür wurde eine Folge ausgewählt, die durch besonders viel Humor auffiel, und daher bei den Fans gut ankam. Fragen wie beispielsweise, ob aus Fornell und Gibbs noch ein altes Ehepaar wird, bekamen dabei neue Nahrung und auch Kopfnüsse wurden in der Folge reichhaltig verteilt. Ebenso gab es einen Bloopers-Zusammenschnitt von schiefgegangenen Szenen, der ebenfalls viel Lachen im Publikum erzeugte.

Der Sonntag klang dann mit einen Videovormittag aus. Erst wurden den verbliebenden Teilnehmern noch Aufnahmen des NCIS Fanfest 2009 gezeigt, bei den Michael Weatherly (Tony DiNozzo) und Pauley Perrette teilnahmen. Was für jene die nicht teilnahmen natürlich noch paar Einblicke in die Produktion und die Schauspieler brachte. Anschliessend eine Reihe von Fernsehinterviews der letzten 25 Jahre mit dem Hauptdarsteller Mark Harmon,

Fazit

Auch wenn an manchen Stellen auffällt, daß die Organisation weniger professionell ist  als bei Conventions  und das vorher nicht bekannt ist, ob und wen man zusehen kriegt, stellt ebenfalls ein Besuchsrisiko da. Jedoch war die Veranstaltung mit viel Einsatz und Begeisterung durchgeführt worden. Der geringe Eintrittspreis, und das für Autogramme nicht noch extra bezahlt werden muss, ist ebenfalls angenehm.

Darüber hinaus erfährt man auch hier neues  über die Serie. Dass der Darsteller von Ari Haswari aus Deutschland stammt, ist sicher nicht jeden bekannt. Es zeigt sich erneut, dass das Internet nur Informationen bietet, wenn man danach sucht, und so konnte ich dann auch einige Fragen auf Deutsch stellen und erfahren, dass wie er zu der Rolle gekommen ist und dass er schon seit fast 20 Jahren hier lebt.

NCIS Fanfest 2011

(5. Januar 2011). Nach Mitteilung des NCIS Fan Fest Planning Committee wird es im Jahr 2011 keine Veranstaltung geben. Wir haben uns bemüht nach Gründen zu fragen. Man war aber zu keiner Auskunft bereit. Leider war die Nachricht nur anonym als „NCIS Fan Fest Planning Committee“ gekennzeichnet.

Jedoch wurde ich gefragt, wer mich berechtigt hätte das Foto von 3pm Tanz veröffentlichen. Das Foto zeigte den Raum nach einen spontanen Anruf von Pauley Perrette wo die Besucher des Events tanzten. Ich habe das Foto gelöscht, um weitere Diskussion zu vermeiden. Auch andere Fotos – unabhängig davon, ob ich die Erlaubnis hatte oder nicht – wurden gelöscht.
Hintergrund ist, dass das NCIS Fan Fest Planning Committee unklare Regelungen veröffentlicht hat, wann was nicht erlaubt ist. Die Teilnahmebedingungen verboten die Video-Aufnahme von Copyright-Material also z.B. den gezeigten Filmen, usw. Zu einer bestimmten Zeit waren auch Digitalkameras nicht erlaubt. Es gab keine weitergehende Einschränkung bei den Fotos beispielsweise zu anderen Zeiten. Eine erste Recherche ergab, dass Dutzende von Fotos in Zusammenhang mit den NCIS Fanfest veröffentlicht sind, die ebenfalls zu diesen Zeiten aufgenommen wurden. Teilweise zeigten Bildern ebenfalls Schauspieler, Requisiten, usw.
Natürlich hat die Redaktion bei potentiell problematisches Fotos wie z.B. bei den Aufnahmen der Requisiten Anfragen bei den Copyright-Inhabern gestellt. Bei anderen Bildern, wie jene die hier veröffentlicht sind, wurden die Bildrechte bei istockphoto.com oder anderen Anbietern erworben. Während der Veranstaltung wurde weder ich, noch nach meiner Beobachtung jemand anders auf das Fotografieren angesprochen.

Meine Hoffnung ist auf klarere Regelungen oder eine NCIS Convention z.B. von Creation Entertainment. Meine Erfahrung zeigt, dass diese Veranstaltungen zwar teurer sind, jedoch besser organisiert, was man darf – als Teilnehmer und Presse – klarer geregelt sind und schon aus kommerziellen Interesse ein attraktives Programm bieten, welche gezielt auf die Fans zugeschnitten sind.  (FS)

Tags: , , ,   



   ShortNews Shortnews melden  Artikel drucken
  EBook download

Ein Kommentar zu “NCIS zwischen TV Serie und Wirklichkeit”

Maurice

Wow, von NCIS Convention wusste ich bisher nichts. Stelle ich mir verdammt spannend vor, besonders mit ehemaligen aktiven zu sprechen, deren Erfahrunnge und lustigen Geschichten (wie du berichtest) zu hören. Super Sache! In einigen Dingen sind uns die Amerikaner doch noch vorraus… :-)

Schreibe einen Kommentar

NCIS zwischen TV Serie und Wirklichkeit
Impressum | Datenschutz | Regeln | Haftung | Copyright © The Silicon Valley Experiment. All rights reserved.