CrowdConf 2010

CrowdConf 2010

In San Francisco fand am 4. Oktober die weltweit erste Messe zum Thema Crowdsourcing statt. Auf der CrowdConf kamen einige der weltweit führenden Firmen zusammen, um über ihre Erfahrungen auf diesem Gebiet zu berichten.

Insgesamt gab es 450 Besucher, die sich über die Probleme und Fragestellungen des Crowdsourcing informieren wollten. Ziel der Veranstalter war es, die Menschen zusammenzubringen und über zukünftige Aufgaben einzuweihen, was ihnen auch gelungen ist.

In der ersten Veranstaltung „Possible vs. Impossible: Determining the Power of Crowdsourcing“ merkte Sharon Chiarella (Amazon Mechanical Turk) an, dass der Übergang von Outsourcing auf Crowdsourcing für alle Organisationen eine Herausforderung darstellt. Der Dienstleister befindet sich häufig nicht im selben Land und es entsteht ein gewisser Koodinierungsbedarf. Häufig gibt es auch Bedenken, ob mit den Daten des Kunden verantwortungsbewusst umgegangen wird.

Jason Aiken (99 Designs) sprach darüber hinaus von der Notwendigkeit, sensibel mit den persönlichen Interessen von Crowdsourcing Designern umzugehen. Auch hier gibt es Probleme und Bedenken. Es müsse hierbei ein Klima geschaffen werden, in dem der Designer sich wohl fühlt und das gleiche Design, mit den entsprechenden Ideen, nicht noch viele Male anderweitig verkauft.

Sollte diese Messe so erfolgreich sein, wie es sich die Betreiber versprechen, so wird der nächste Schritt nach Europa sein, so Lukas Biewald,  Gründer von CrowdFlower und Mitinitiator der CrowdConf. Dort gibt es bereits jetzt viele Startups zu diesem spannenden Thema.

We no longer need to build a box around people to get work done. We are creating a global meritocracy. – Lukas Biewald

Die Mechanismen des Crowdsourcing sind dazu geschaffen, um Qualität zu garantieren. So können für Projekte weltweit gute und günstige Experten genommen werden, die ihre Aufgaben mit Leidenschaft erfüllen. Crowdsourcing wurde bereits bei dem Erdbeben in Haiti genutzt, um Emails und Tweets schnell von der Landessprache in Englisch und zurück zu übersetzen.

Es ist nicht nötig in einer Stadt zu leben – ein einfacher Internetzugang ermöglicht es den Menschen von überall aus zu arbeiten und dank der Globalisierung auch weltweit. Desweiteren garantiert es Jobs – der billigste Laptop aus China wird bereits für 65 Dollar angeboten, so Biewald. So ist es auch den Menschen in den ärmeren Regionen der Welt möglich, für ihre Verhältnisse überdurchschnittlich viel zu verdienen. Dank des Technologiefortschritts ist es möglich auch in abgelegene Gebiete die Zukunft zu bringen und gleichzeitig die Armut zu bekämpfen wofür sich Leila C. Janah, CEO von Samasource, stark macht.

Sie zeigte ein Beispiel, in dem Flüchtlinge in einem Camp in Indien, dank eines kleinen Computerarbeitsplatz ihr Einkommen um ein fünffaches steigern konnten. Es muss mehr getan werden, um die Intelligenz von den Millionen potentiellen Nutzern von Social Media in der ganzen Welt zu nutzen. Das schlimmste an Armut sei vergeudetes Talent, so Janah.

We are all leveraging technology and it’s come to where we should be able to work where we want – Maynard Webb

Das Internet machts möglich

Panel in San Francisco

Panel in San Francisco

Hat Ebay die Welt des Handels verändert, so verändert das CrowdSourcing die Arbeitswelt, so Maynard Webb von LiveOps. Desweiteren referierter er darüber, wie sich die Arbeit von heute, im Vergleich zu 1960 verändert hat. So war es vor 50 Jahren so, dass

  • die Arbeit lokal,
  • der Job „fürs Leben“,
  • die Arbeitszeit von 9.00 bis 17.00 Uhr,
  • es gab nur ein Einkommen pro Familie und
  • Arbeit und zu Hause waren strikt getrennt.

Im Jahr 2010 ist das komplett anders:

  • Arbeiten ist von überall aus möglich,
  • es werden im Schnitt 10 bis 14 Jobs durchlaufen, bevor das Alter von 38 Jahren erreicht wird,
  • die Arbeitszeit ist flexibel,
  • in den Familien gibt es fast ausschließlich Doppelverdiener und
  • es wird von zu Hause aus gearbeitet.

Diese veränderte Einstellung zur Arbeit macht sich das Crowdsourcing zu Nutze. Jeder in der Cloud arbeitet auf selbständiger Basis und laut Statistik seien Selbständiger zweimal so ambitioniert wie Angestellte. Bedeutet Outsourcing „das beste Talent weltweit zu finden“, so kreiert die Cloud eine globale Leistungsgesellschaft. Es bringt aber auch neue Verpflichtungen mit sich. Hierzu nannte er die Stichworte

  • Leistungsgesellschaft (meritrocracy),
  • Transparenz (transparency) und
  • Verantwortlichkeit (accountability).

Innerhalb der Leistungsgesellschaft gibt es keine Arbeitsplatzgarantie mehr, es wird im Wettbewerb mit der ganzen Welt gestanden. Die Transparenz ins notwendig um das notwendige Feedback zu erhalten, um den Bewerber anhand von seinen Daten einzustellen. Als letztes ist ein neuer Führungsstil nötig der in Verantwortung zu den Mitarbeitern steht. Diese schlecht zu behandeln, kommt in einer globalen Umgebung nicht gut an.

Brian Goler (VP, Marketing oDesk) diskutierte Strategien für die Erschließung globaler Talente. Arbeit müsse  transparent sein und, die Bedeutung eines Aufbaus langfristiger Beziehungen hervorgehoben werden. Außerdem müssen die Zahlungen gewährleistet werden. Die Formel hierzu ist

  • Sähe – Seed (Mikro-Marktplätze der Skill Sets),
  • Füttere – Feed (PHP-Entwickler, etc.) und
  • Ernte – Weed (Programme und Politik)

So werden sich die Unternehmer von Crowdsourcing Agenturen über kurz oder lang Regulationen von Seiten der Regierungsstellen einstellen müssen, des weiteren bedeutet es ein komplett neuer Führungsstil und es muss eine „rechtliche“ Infrastruktur kreiert werden.

Für Ville Miettinen, Gründer und CEO von Microtask, ist Crowdsourcing eine „Zeitersparnis von lästigen Aufgaben“. Ein gutes Beispiel für lästige Aufgaben wäre die Texterkennungssoftware OCR. Diese ist zwar großartig, doch müssten im Anschluss noch immer 20-30% per Hand nachkorrigiert werden. Bei der Cloud hingegen, liegt die Genauigkeit hingegen bei bis zu 95%.

Crowdsourcing != Crowdsourcing

Patrick McKenna (CEO, Keniks) sprach von drei Arten von Crowdsourcing. Er teilte uns seine „Formel“ mit:

  • Transaktiv – transactional – finde einen Haufen Geld mit transaktionalen Aufgaben
  • in Beziehung zueinander – relational – verstehe, wie viel die Transaktion wert ist (Kostensenkung, Qualitätssteigerung, Optimierung)
  • Kreativ – creative – baue einen Prozess, der der Masse nutzt und ihr eine Schnittstelle zur Optimierung der Transaktion bietet.

John Winsor (CEO, Victors & Spoils) glaubt,  dass der nächste große Schritt vom Crowdsourcing der zuverlässige Ruf der Einzelpersonen und Teams ist. Dieser Trust Faktor ist wichtig, für die Entscheidungen an wen welcher Job gegeben wird.

Crowdsourcing is amplified Outsourcing –  Barney Pell

Outsourcing ist bereits jetzt eine 500 Milliarden Industrie und die Zukunft sieht Barney Pell eindeutig im Crowdsourcing. Genau wie beim Outsourcing  kommen verschiedene Leute zusammen, die einem nicht vertraut sind, zusammen und „schnüffeln“ herum. Ohne die Bereitschaft, dieses zuzulassen, ist es nicht möglich von den niedrigen Kosten zu profitieren. Es gibt noch keine ultimative Formel um Loyalität zu garantieren. Evangelisation braucht Standardisierungen. Eine weitere große Herausforderung, welches gleichzeitig ebenfalls ein großes Problem ist es, die richtigen Personen für ein Projekt zu finden. Evtl. gibt es bereits jemanden, der schon mal eine Lösung zu einem aktuellen Problem entwickelt hat, aber nicht weiß wie oder warum es nun relevant sein könnte.

Wie anfangs erwähnt, gibt es auch soziale und ethische Fragen zu bedenken. Es ist klar, dass an diesem Punkt die Arbeiter wichtiger  als die Käufer sind. Letztere sind aus der sogenannten „Upperclass“ während die Arbeiter größtenteils aus ärmeren Ländern kommen. Da ist das Potential, da sich diese Menschen weiterentwickeln wollen und daher hoch motiviert und kreativ sind. Die Zukunft wird eindeutig dort gesehen, als Arbeitsbeschaffung in armen Ländern. Dort leben hochmotivierte, englisch sprechende Menschen, oftmals mit hohen Schulabschlüssen, die aber aufgrund ihrer Armut nichts aus sich machen können. Dank Crowdsourcing haben sie nun eine Chance – wenn die Risiken beachtet werden.

Globalisierter Wohlstand für alle ?

Dr. Lauren Schmidt (CEO, Headlamp Research) sprach in ihrem Vortrag  „Crowdsourcing for Human Subjects Research“ als eine der wenigen  über die Probleme. So sah sie die Notwendigkeit, dass gewisse Vorraussetzungen erfüllt werden müssten wie, den Teilnehmern Anonymität zu garantieren,  ethischen Entschädigung zu zahlen, gefährdete Bevölkerungsgruppen zu schützen und gewisse Linien nicht zu überschreiten waren einige der provokanten Themen die sie anschnitt.

Prinzipiell besteht natürlich die Gefahr, dass hier eine Struktur entsteht, die wie in der Kolonialzeit Resourcen von diesen Ländern in die reichen Länder transferiert. Nur sind es diesmal keine Rohstoffe, sondern Dienstleistungen. Andererseits hat die Entwicklungshilfe auch viele der versprochenen Ziele nicht erreicht. In der Kolonialzeit wurden die Rohstoffe in der ersten Welt transportiert und dann die produzierten Waren wie Kleidung für teures Geld wieder in die Kolonien verkauft. Dieses System zementierte Ausbeutung und war beispielsweise auch eines der Anknüpfungspunkte von Ghandis Befreiungskampf in Indien.  Die Dienstleistungen wie sie über 99designs und vworker vermittelt werden, gehen jedoch einher mit entsprechenden Know-How in diesen Ländern. In Verbindung mit entsprechenden Regularien sollte dieses Risiko zu minimieren sein. Ebenso werden internationale Abkommen z.B. über Schutz vor geistigen Eigentum wichtiger, den auch hier besteht eine Gefahr für die Auftraggeber. (AE)

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