Hitler mit Gebäck bekämpfen

Hitler mit Gebäck bekämpfen

Schon in der Vergangenheit sind indische Firmen durch ihren lockeren Umgang mit der deutschen Vergangenheit aufgefallen. Sei es bei Hakenkreuz-Bettwäsche oder dem Hitler-Restaurant. In jedem Fall gingen entsprechend negative Berichte durch die internationale Presse.

Unter diesem Gesichtspunkt, müsste die Agentur Creativland Asia in Indien eigentlich alles falsch gemacht haben, was man falsch machen konnte.

Mit Hitler, der Nutzung (bzw. Ausnutzung) des Welthungers für das Marketing haben sie eine aggressive Werbestrategie geschaffen, die auch vor Terroristenbekehrung und Schaffen  des Weltfriedens nicht halt macht. Doch kam es anders.

Auf der TwTrCon 2010 in San Francisco wurden viele Case Studies vorgestellt, wie Twitter im Rahmen von Social Media Strategien zum Einsatz kommt. Firmen wie Ford, H&R Block, Southwest Airlines, aber auch Klein- und Einzelunternehmer berichteten über ihre Strategien.

Eine dieser Fallstudien stellte das Unternehmen Parle Agro dar. Der indische Getränkehersteller beauftragte die Agentur Creativland Asia mit der Einführung einer völlig neuen Produktsparte im Bereich der Snacks. Da zwar das Unternehmen mit seinen Marken bekannt ist, war jedoch der Eintritt in eine völlig neue Produktsparte mit vielen Wettbewerbern ein schwieriges Unterfangen. Daher war es wichtig, eine Strategie zu entwickeln, die in kurzer Zeit nach den Markteintritt zu einen gewissen Marktanteil führen sollte.

Die indische Agentur mit seinen CEO Sajan Ray Kurup hatte dabei relativ freie Hand und konnte vom Namen, über die Verpackung, bis hin zur Cross Media Werbestrategie alles aus eingener Hand entwickeln.

Es wurde als Grundidee ein Nilpferd, dass den Welthunger bekämpft, genommen. Denn Hunger ist die Wurzel allen Übels.

Hungry is the root of all evil

Das Produkt wurde folgerichtig „Hippo“ genannt, dazu wurde eine eigene Sprache entwickelt und eine entsprechende Marketingkampagne gestartet.

Werbung für Hippo

Werbung für Hippo

Teil der Markeingkampagne war beispielsweise eine Prügelei in den Strassen einer indischen Stadt, die durch das Weizengepäck beendet wird,  Terroristen die sich friedlich verhalten und andere Probleme der Welt beendet werden, mit dem guten Ende, dass der Weltfrieden ausbricht.

Die Online Kampagne beinhaltet unter anderen ein Spiel. Dabei hat der Spieler ein Gewehr und als Munition eben dieses Weizengepäck. Dieses muss er in die Münder der Bösen der Welt, wie Saddam Hussein, den Joker oder Hitler befördern. Im Radio wurden Ansprachen von Saddam Hussein, Stalin und Hitler entsprechend mit Übersetzungen versehen, die den Eindruck erzeugte, sie wären nur Bösewichter, weil sie Hunger hätten.

Die Kampagne lief sehr erfolgreich und die Produkteinführung konnte seine Ziele sehr schnell erreichen. Es entstand jedoch dann daraus ein Problem, allerdings keine Social Media Krise.

Das Problem lag daran, dass in kurzer Zeit die Regale leer gekauft waren. Das Unternehmen rief bei Creativeland an und wollte die Anzeigenkampagne stoppen, da Kunden in vielen Geschäften kein Produkt mehr kaufen konnten.

Dazu muss einem bewusst sein, dass in Indien nur eine schlechte Logistik für Warenlieferungen und Lagerverwaltung existiert. Verkäufer besuchen unregelmäßig die Geschäfte und es werden dann Bestellungen aufgenommen, aber wenn ein Produkt ausverkauft ist, erfährt der Lieferant dies in der Regel nicht zeitnah. Das Problem wurde noch verstärkt, da die meisten Verkaufsgeschäfte eher über Kioske erfolgten, die keinen Ketten angehörten und es davon eine sehr grosse Anzahl gibt.

Die indische Agentur schlug hier eine völlig andere Strategie vor. Die Kunden sollten twittern, wenn in einen Geschäft Hippo ausverkauft war. Diese Information wurde ausgewertet und ihn in Distributionssystem geleitet, so das in kürzester Zeit eine Auslieferung erfolgen konnte. Die Logistik lies es in vielen Fällen zu, Nachlieferungen innerhalb von 2 Stunden vorzunehmen. Gleichzeitig wurden die aktiven Tweeter identifiziert und man bedankte sich mit Hippo-Anti-Hunger-Geschenken.

Video "Hippo & Distribution"

Video "Hippo & Distribution"

Dieser definitiv eher ungewöhnliche Weg funktionierte hervorragend. Es konnten bis zu 50% des Distributionsgebietes auf diese Art erfasst und zeitnah beliefert werden. Anstatt die Marketingkampagne auszusetzen, wurde sie verstärkt und konnte den Verkauf um 76% steigern.

Die Verbindung von Social Media mit einen logischen Problem hat sicher Seltenheitswert und zeigt das kreative Ideen mehr Nutzen bringen können, als nur „erfolgreiches Marketing“. Umgekehrt sollten – bei allen Hintergründen des Umganges in Indien mit der deutschen Geschichte – auch nicht die Risiken aus den Augen verloren werden, was eine Werbekampagne wie diese auch für Schaden anrichten kann. Ein anderes potentielles PR Problem wurde wenigstens schon erkannt. Welthunger als Werbebotschaft zu verwenden kann sich ebenfalls zum Problem entwickeln. Ab nächsten Jahr soll daher pro verkauften Hippo-Tüte auch ein Spende für die Welthunger geleistet werden. (FS)

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Ein Kommentar zu “TwTrCon 2010: Hunger, Hippo, Hitler, Weltfrieden, Twitter”

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