Marktforscher unter sich

Marktforscher unter sich

Die 6Sight wäre keine Konferenz der Fotoindustrie, wenn es auch nicht ausgiebig Zahlen und Statistiken geben würde.

Die Hersteller von Kameras und von Druckern, ebenso wie die Fotohändler und Handelsketten, sowie die Zulieferer für Fotogeschenke und Produzenten von Fotobüchern trafen sich im kalifornischen San Jose um ihre Erfahrungen auszutauschen.

Für die dreitägige Veranstaltung waren aus Deutschland die GfK, sowie US Marktforscher und Unternehmen wie Infotrends, Lyra und die Branchenvereinigung PMA mit ihren neuesten Statistiken angereist.

Niemanden ist entgangen, dass die Fotoindustrie eine harte Zeit hinter sich hat. Der Wechsel vom analogen Film zur digitalen Produkt hat viele Auswirkungen gehabt. Unternehmen wie Qualex in den USA oder die Kodak Labore in Deutschland haben diesen Wechsel nicht überlebt. Andere wie Fuji in den USA oder Europa mussten massiv Laborkapazitäten abbauen. In anderen Märkten, wie z.B. in Neuseeland haben die Labore, die früher Handelskunden belieferten, selbst angefangen die Endkunden anzusprechen.

Analog vs Digital

Noch im Jahre 2001 wurden 5,25 Milliarden analoge Bildabzüge in Deutschland basierend auf den Untersuchungen der GfK produziert. Im letzten Jahr werden nur noch 670 Millionen analoge Bildabzüge erwartet nach 950 Millionen im Jahr 2008. Dem Analog-Film droht damit in absehbarer Zeit dasselbe Schicksal wie das die Schallplatt.

6Sight: Camera sales 2004-2013

6Sight: Camera sales 2004-2013

Die Digitalisierung ist aber nur eine Entwicklung. Das Internet, die Drucktechnik, die Digitalkamera – alle Entwicklungen brachen relativ gleichzeitig über die Industrie herein. Kaum Eine, vielleicht abgesehen vom Journalismus, musste sich mit so vielen Entwicklungen zur gleichen Zeit beschäftigen.

Die Spitze der Bildabzüge über alle Produktionsarten hinweg war im Jahr 2004 mit 5,7 Milliarden in Deutschland erreicht. Seitdem ist diese konstant gefallen und liegt seit 2007 stabil bei 4,8 Milliarden. Die Art wie produziert wird, verändert sich noch immer stetig. In 2009 verteilte sich die Produktion auf 570 Mio. die zuhause gedruckt werden, 970 Mio. die in Minilabs produziert werden, sowie in 2009 waren es 2,58 Milliarden digital produzierte Bildabzüge und Fotobücher in Laboren.

Betrachtet man das in den europäischen Ländern, zeigt sich ein ähnliches Bild. Besonders das Homeprinting, der Druck auf den eigenen Drucker, verliert demnach immer mehr an Bedeutung. In England und Deutschland tritt stärker als z.B. in Belgien oder den Niederlanden zu Tage, aber allein zwischen 2009 und 2010 wird ein Rückgang zwischen 9% und 28% beim heimischen Ausdruck erwartet.

Invasion der Bilder

Die Zahl der Fotos die Konsumenten aufnehmen, ist rapide gestiegen von ca. 130 Milliarden im Jahr 2003, sind es im Jahr 2009 eher 200 Milliarden und Photo-News.COM erwartet eine Steigerung bis 2012 auf fast 280 Milliarden. Bei den professionellen Aufnahmen ist es eher rückläufig. Waren es im Jahr 2005 noch über 13 Mio. Aufnahmen so sind es im Jahr 2009 eher 9 Mio. und ein Rückgang bis 2012 auf 7 Mio. ist in dem Bereich zu erwarten.

Laut Frank Baillargeon, von Infotrends drucken 97% der professionellen Fotografen in den USA ihre Bilder aus. Der Jahresumsatz an kommerziell hergestellten Fotoprodukten hat seinen Abwärtstrend beibehalten und ist um weitere 13% gesunken, von 4.347$ in 2009 auf 3.768$ in 2010. In derselben Periode hat aber auch der Druck von zu Hause aus um 37% abgenommen, von 2.163$ auf 1.353$.

Insgesamt druckt ein professioneller Fotograf durchschnittlich 771 Bilder. Die Zahl der Probeabzüge hat sich hierbei verringert, während die Zahl der finalen gestiegen ist. 2010 hatten die Profis 10% weniger Proben gedruckt, dafür aber 18% mehr finale Abzüge als in 2009. Nach Messungen des Anbieters für Fotolösungen ECCE TERRAM werden im Konsumentenbereich zwischen 70 (Online) und 130 Bildabzüge (Desktop Client) bestellt.

42% der Probeabzüge von Profi-Fotografen und 70% der eigentlichen Bilder sind outgesourced. Dies ist ein Wachstum von 27% sowie 25% im Vergleich zum Vorjahr. Gründe für das Outsourcing von Ausdrucken sind die bessere Qualität, die oftmals komplizierte Bildbearbeitung von zu Hause aus und die Möglichkeit von verschiedenen Formaten und Produkten. Es ist eine Zeitersparnis, kostengünstig und oftmals steht kein passender Drucker zur Verfügung um einige der Hauptgründe zu nennen.

Die NPD Group hat weitere Daten für die USA beigesteuert:

Betrachtet man die verschiedenen Wege wie Bilder gedruckt werden, so ist interessant zu sehen, dass die Online Bestellung mit Lieferung nach Hause bei der Altersklasse 18-29 Jahre am stärksten verbreitet ist, während sie unterdurchschnittlich beim Homeprinting vertreten sind.

Drucken ist out

Wie die bisherigen Zahlen schon andeuteten, werden – diesmal basierend auf Untersuchen der Firma Lyra Research – bei US Konsumenten im Jahr 2009 die allermeisten Bilder nicht gedruckt. Nur ca. 15% der Nutzer drucken mehr als die Hälfte der aufgenommenen Bilder. Gleichzeitig haben über 50% der Nutzer nicht ein einziges aufgenommenes ausdrucken.

Bei Aufnahmen mit dem Handy ist es noch extremer: In Asien wurden im Jahr 2009 1,8% der aufgenommenen Aufnahmen gedruckt. In Europa sind es 1,5%, in Nordamerika sogar nur 0,3% der Aufnahmen. Lyra Research geht sogar davon aus, dass diese Werte sich bis 2014 nicht wesentlich verändern werden.

Ebenso wird vorhergesagt, dass der Bereich der Homeprints bis 2014 weiter leicht zurückgeht von heutigen 35% der Bilder auf 25%. Profitieren wird davon besonders der Bereich der Onlinedruck mit Abholung im Geschäfts und Hauslieferung.

Im Bereich der Fotobücher wird eine Verschiebung eher zum Bereich der Online Bestellung und Abholung im Geschäft erwartet (von ca. 15% in 2010 auf 25% im Jahr 2014). Hier ist allerdings zu erwähnen, dass die Zahlen laut Lyra Research sich auf weltweite Konsumenten Fotobuchproduktion beziehen. Dabei gibt es gerade in dem Bereich wesentliche Unterschiede zwischen den Märkten z.B. zwischen Deutschland, UK, USA oder Märkten wie Australien & Neuseeland.

Die Bedeutung der Software für die Fotoindustrie spielt eine immer wichtigere Rolle. Software-Features werden immer mehr zum Verkaufsargument und treiben die Möglichkeit an mit den Bildern mehr zu machen, als sie nur zu betrachten. Insbesondere die Anwendungen auf Handys spielt da eine Rolle. Zur 6Sight 2009 gab es noch insgesamt 100.000 Apps mit 2 Milliarden Downloads für das iPhone. Zur diesjährigen 6Sight waren es schon 300.000 iPhone Apps und man rechnet mit über 7 Milliarden Downloads. Dazu kommen die anderen Betriebssysteme wie Android (100.000 Apps, >2 Milliarden Downloads), GetJar (75.000 Apps, 1 Milliarden Downloads) oder Blackberry (10.000 Apps, 1,5M Downloads pro Tag).

Experten unter sich

Experten unter sich

Was bringt die Zukunft ?

Die Meinungsforscher, hier von InfoTrends, haben auch das Thema 3D im Blick. Hier zeigt sich aber ein großer Unterschied zwischen USA und Europa. Während in den USA 21% der Konsumenten an 3D interessiert sind, sind es nur 7% in Europa. Völlig desinteressiert sind in Europa sogar 39% im Vergleich zu 18% in den USA.

Welches Thema wird aber eine Bedeutung in den nächsten Jahren haben? Jedes Jahr fragt 6Sight sieben Experten, welche Themen die bedeuteten in der Fotoindustrie sein werden. Neue Technologien für Kameras und Videofunktionen werden ebenfalls als wichtig angesehen. Die Themen Bilderverwaltung oder die Idee des „Digital Livingroom“ werden eher als unwichtig angesehen.

Als wichtiges Thema wurde jedoch Social Networking eingeschätzt. Die 6Sight 2010 stand unter dem Leitfaden „Future of Imaging“ mit Themen 3D, Augmented Reality, aber just nicht Social Networks. (FS)

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