Legale Webspionage

Veröffentlicht am 13.12.2010 in Social Media von archiv | 0 Kommentare

SVEXP Computer hacker in the darkAm 4. Dezember lud die SVPMA (Silicon Valley Product Management Association) zu einem Event für das Thema „Keeping An Eye On The Competition” ein. Im Wesentlichen ging es darum, den Mitbewerber in seinem eigenen Markt auf legale Weise zu beobachten und die nächsten Schritte zu kennen und diese auszuwerten, da das das Zünglein an der Waage für den eigenen Erfolg oder Misserfolg sein kann.

Hierbei geht es um die Wege, um die richtigen Personen auf legale Weise auszufragen und dadurch zu der Information zu kommen.

Den Teilnehmern des Vortrags wurde von Sean Campbell und Scott Swigart von Cascade Insights, der systematische Weg erklärt, wie es möglich ist, herauszufinden, was die Konkurrenz plant und gerade am tun ist. Dies ist nicht damit geschehen, den ehemaligen Mitarbeiter der Konkurrenz, welche nur für einen selber arbeitet, zu jedem Meeting einzuladen und ihn nach seiner Einschätzung und Meinung zu fragen, denn er kann nur einen Einblick darüber geben, wie es zu dem Zeitpunkt war, als er die Firma verließ – nicht mehr und nicht weniger. Natürlich kann daraus etwas über Strukturen und Vorgehensweisen abgeleitet werden, aber da sich die Strukturen innerhalb von Unternehmen im ständigen Wandel befinden, ist dieses nicht besonders zuverlässig.

Mining Social Media for Data Mining

Competitive Intelligence (CI) und Marketing Research (MR) dürfen als Disziplinen nicht getrennt betrachtet werden, sie überschneiden sich. Was immer auch betrachtet wird, der Unterschied ist, dass bei MR eine größere Bandbreite abgefragt wird, während beim CI die Antworten stark eingeschränkt sind. Welcher der beiden Kanäle zur Auswertung herangezogen wird, hängt nur davon ab, welche Fragen beantwortet werden sollen.

Um zu wissen, wo die Konkurrenz im Vergleich zu einem selber steht, sollte als Erstes, neben deren eigenen Webauftritt, ihre Darstellung in der Social Media Welt betrachtet werden. Es spricht nichts dagegen, sich selber einen Account oder Zugang zu deren Plattformen zu generieren oder ein Fan bzw. Follower auf Facebook und Twitter zu werden. Mit Kommentaren sollte sich selbstverständlich zurückgehalten werden und es sollten keinesfalls die Mitglieder abgeworben werden. Es geht nur darum, zu beobachten, zu analysieren und davon schlussendlich zu lernen.

Es spräche auch nichts dagegen, den Fans oder Followern zu folgen und ihre aussagen zu beobachten. Logischerweise ist dieses von dem Wunsch getrieben, dass sie zusätzlich zu Fans bzw. Followern des eigenen Unternehmens werden. Sie sollten nur nicht offensiv abgeworben werden. Es spräche aber nichts dagegen, all die kleinen Tools die dabei helfen, einzusetzen.

SVEXP Sean Campbell

Sean Campbell

Twitter als Strömungsbarometer

Twitter ist ein großer Pool für Informationen. Es ist ein Real Time Sentiment und es sickern Informationen von delikaten Inhalten des Öfteren durch. Wer, wenn nicht die Mitarbeiter der Firma hat Zugang zu den Informationen? Und in der Vergangenheit, ist durch eine kleine Twitteraussage schon mehr als einmal ein Interna unbewusst verraten worden. Tools zur Analyse sind Twit(url)y mit dem nach Tweets mit Urls gesucht werden kann, TweetFeel für eine Realtime Sentiment Analyse und Paper.li der eine Zeitung der Suche erstellt. Als „netter Bildschirmschoner“ wurde noch World of Tweets genannt.

Desweitern könne man auch unmöglich an allen Konferenzen partizipieren, aber da inzwischen von jeder gewtittert werden würde, ist es hilfreich, die entsprechenden Hashtags zu beobachten und diese zu lesen und den Usern beginnen zu folgen. Gerade das Mitlesen hat sich in vielen Fällen als Hilfreich erwiesen. So zitieren die Teilnehmer häufig die Sprecher und deren Aussagen. Nicht nur die offizielle Presseerklärungen sondern eben auch die „freudschen Fehlleistungen“ und Dinge, die in einem Nebensatz zur Sprache kommen. Dies ist eine wunderbare Quelle um die Strömungen im Markt und Pläne der Konkurrenten zu beobachten.

LinkedIn und Xing als Stellenmarkt

Auch sollte auf Stellenausschreibungen der Konkurrenz geachtet werden. Auf beispielsweise LinkedIn ist es möglich, sich Statistiken von Unternehmen und deren Mitarbeitern anzeigen zu lassen. Unter anderem kann dort auch nach Stellenanzeigen und Userforen gesucht werden. Sollte nun der Konkurrent neue Stellen ausgeschrieben haben, ist es an einem selbst zu analysieren wofür und welchem Zweck dies dienen kann. Natürlich ist LinkedIn nicht das Maß aller Dinge, nicht alle Länder der Welt nehmen gleich stark an diesem Netzwerk teil, doch vermittelt es einen guten Eindruck und eine Richtung. Angewendet auf den deutschen Markt sollte hier eben Xing beobachtet werden.

Slideshare – die Quelle für Interna

Überhaupt gehen Unternehmen oftmals nicht allzu sensibel mit ihren Daten um. So lassen sich viele Vorträge von Mitarbeiten auf Slideshare finden, welche oftmals sehr interne Zahlen und Statistiken vorzuweisen haben. So wurde Slideshare als gute Quelle deutlich hervorgehoben.

Um weitere Trends zu beobachten, empfehlen die Eigentümer von Cascade Insights Online Analyse Seiten wie Quarkbase oder Silobreaker. Diese scannen das Internet nach Blogs, Twitter, Facebook und Stichworten und zeigen so an, was über einen selber aber vielmehr noch dem Mitbewerber geredet wird. So ist es möglich, sich auf Silobreaker eine Karte zu erstellen und sich somit die „Mitspieler“ anzeigen zu lassen sowie Zitate, denn oftmals sind diese eine frühe Indikation, was die Konkurrenz plant. Im Vergleich zu Google liefern diese Dienste richtig gute und aussagekräftige Daten.

Doch bietet das Wonderwheel von Google und auch die Google Trends einen aufschlussreichen Überblick, was gerade “In” ist. Bei den Trends sollte dort gesucht werden, wo das Unternehmen ansässig ist. Nicht die Globalen News sind hier entscheidend sondern der kleine Nebensatz in der lokalen Tageszeitung.

Auf legale Weise kommt ein Unternehmen so an die empfindlichen Daten der Konkurrenz ran. Es spräche auch nichts dagegen, bei der Presseabteilung anzurufen und um eine Stellungnahme bzw. weitere Informationen zu bitten. Auch könne sich auf einer Messe neben den Stand des Konkurrenten gestellt werden und diesen bei Verkaufsgesprächen oder Präsentationen mitzuhören. Gegen diese Praktiken spräche rein gar nichts. Das Wichtigste sei es nun mal zuzuhören, auf allen möglichen öffentlichen Kanälen und die Informationen zu sammeln um diese am Ende des Tages miteinander zu verknüpfen.

Aber wo bleibt da die Moral?

Schlussendlich gehen sie davon aus, dass jeder von einem Selbstdarstellungstrieb befallen ist und diesen nun bequem online ausleben kann. Auch spiele als großer Faktor mit herein, dass sich ein jeder gerne als eine Art von „Lehrer“ aufspielt. Das ist der Grund, der das Zuhören rechtfertigt und warum? Weil wir keine andere Chance haben um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die CI brauchen einen ethischen Code dem sie zu folgen haben. Die hierbei zu beantwortenden Fragen sind die der Legalität, persönlicher Moral und die der Firma. Im Softwarebereich ist das durch das „Enduseragreement“ gelöst und abgesehen von diesen sind die Kunden dann nur ihren eigenen moralischen Vorstellungen verpflichtet und werden sich ehrlich austauschen. Und da sollte, wie stets in der Social Media Welt, wie folgt eingegriffen werden: Mit der notwendigen Sensibilität! (AE)

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