Discussion@Churchillclub

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Die Entwicklung des Internets hat neue Chancen aber auch neue Risiken entstehen lassen. Eine der schwierigsten Fragestellungen ist dabei das Thema Datenschutz bzw. Privacy („Privatspähre“). Die Diskussion unterscheidet sich dabei in Deutschland und den USA erheblich.

Der Churchillclub aus dem Silicon Valley veranstaltet regelmässig Vorträge und Podiumsdiskussionen, so auch zu diesen Thema.

Nachdem vor zwei Wochen über das Thema Wikileaks und die Auswirkungen auf Journalismus, Demokratie und Verfassung diskutiert wurde, folgte nun eine Debatte zwischen Wirtschaft, Politik und Behörden über Datenschutz. Der Fokus lag abei auf Lokalisierungsdienste, kurz Location Based Services (LBS).

Internet-Dienste wie Foursquare oder Gowalla sind in den letzten Jahren massiv gewachsen und haben auch andere Unternehmen wie Facebook mit dessen eigenen Dienst Facebook Places auf den Plan gerufen oder ganz neue Dienste wie fourwhere entstehen lassen. In Verbindung mit der schnellen Verbreitung von Smartphones und Tablets stellen sich neue Fragen.

Unter der Leitung von Melissa Parrish diskutierten die unterschiedlichstne Vertreter über dieses Thema. Sie leitete die Diskussion mit einigen Ergebnisse einer kürzlich von Microsoft veröffentlichen Studie zum Thema LBS und Datenschutz ein. Demnach haben 62% der Konsumenten geantwortet, dass Ihnen die Existenz von Location Based Services bewusst sind und 51% haben sie schon mal genutzt. Dabei haben viele Nutzer sehr wohl Datenschutzbedenken.

52% of respondents expressed strong concern with sharing their location with other people or organizations. Concern is higher for sharing location with organizations than other people. (US 56%, UK 51%, Germany 53%, Canada 55%, Japan 39%) 58% of respondents are concerned specifically about controlling the people and organizations that have access to their location. (US 70%, UK 66%, Germany 54%, Canada 59%, Japan 45%), (c) Microsoft Survey

LBS und Social Media Dienste brauchen Datenschutz zum Überlegen

Die Analystin von Forrester Research began die Diskussion damit, die Podiumsteilnehmer zu fragen, was Ihre größten Bedenken in Zusammenhang mit Location-Based-Services sein.

Laura Berger began als Erste mit Ihrer Einschätzung. Sie ist als Anwaltin bei der Federal Trade Commision (FTC) in der Abteilung für Datenschutz und Identitätsschutz beschäftigt und begleitet insofern die Einführung von Verordnungen zum Schutz der Konsumenten oder verfolgt ggf. Verstösse gegen bestehende Gesetze in diesen Bereich.

Jim Dempsey war vom Zentrum für Demokratie und Technology (CDT). Diese Nicht-Regierungsorganisation sieht ihre Aufgabe die Konsumentensicht zu vertreten und im politischen Prozess diese Sicht einzubringen.

I am a paid paranoid to worry on this things – Jim Dempsey

In Zusammenhang mit LBS arbeitet das CDT – auch mit Unternehmen – daran, ein Regelrahmenwerk (Policy Framework) zu schaffen, was den Konsumenten die notwendige Informationen über die Verwendung Ihrer Daten zu geben und qualifizierte Entscheidung über deren Nutzung zu schaffen. Insofern unterscheidet es sich deutlich von den „deutschen“ Ansatz primär zu regeln, was erlaubt und was verboten ist. Die weitere Diskussion verstärkte den Eindruck noch, dass es hier einen Unterschied im Umgang mit neuen Technologien gibt.

Brian Knapp, ist beim Lokalisierungsdienst Loopt der Chief Operation Officer und als solcher auch zuständig für Datenschutzangelegenheiten. Er beschrieb seine Aufgabe darin, zwei wesentliche Ziele zu erreichen: Einerseits versuche er zu vermeiden, dass seine Firma einen „Brief von Laura (Berger) von der FTC zu bekommen“ und andererseits versuche er Datenschutzfragen so zu berücksichtigen, dass die Nutzer zu jeden Zeitpunkt Vertrauen in den Umfang mit Ihren Daten haen. Dabei ging es seiner Ansicht nach nicht darum, ggf. eine PR-Katastrophe zu vermeiden, sondern vielmehr die Existenz der Firma zu sichern. Er machte sehr deutlich, dass Firmen wie Loopt, Twitter, Facebook und andere in Ihren Business Modell auf das Vertrauen der Nutzer im Umgang mit den Daten angewiesen wären. Wird dieses Vertrauen gestört,  verlieren diese Dienste Nutzer. Da alle Geschäftsmodelle solcher Unternehmen auf die aktiven Nutzer angewiesen sind, belasten solche Datenschutzdefizite direkt den Erfolg dieser Unternehmen.

Brendon Lynch arbeitet bei Microsoft. Der Neuseeländer ist nach seinen Studium an der University of Waikato in die USA gegangen. Er arbeitete bei PricewaterhouseCoopers und dann bei WatchFire, wo er ebenfalls schon im Bereich Datenschutz Erfahrungen sammeln konnte. Als Chief Privacy Officer überwacht er das Datenschutzprogramm im Unternehmen und berät die Abteilungen bei der Einführung von Produkten und wie sie Datenschutzfragen umsetzen können. Seine aktuelle Bedenken sind, dass Nutzern ihre Positionsdaten unbewusst öffentlich machen und dadurch ihre persönliche Sicherheit gefährden. Und als Vater hat er diese Bedenken grade bei dem Umgang der Kinder mit ihren persönlichen Daten.

Owen Tripp, Mitgründer und COO bei Reputation.com hat ein anderes Bedenken. Ihm geht es weniger um die Speicherung von Daten, sondern welche komplexen Auswirkungen die Verknüpfung von Daten für alle Lebensbereiche und am Ende auch für das eigene Verhalten hat.

Im zweiten Teil des Artikels werden wir mehr über die Ansätze zur Transparenz, was mit Privacy-by-Design gemeint ist und wieso die rechtliche Betrachung in den USA besonders schwierig ist, berichten. (FS)

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