Social Media Militärstrategie, (c) Dr. X’s Vintage Photo Blog

Social Media Militärstrategie

Für Regierungen und staatlichen Organisationen ist die Kommunikation mit seinen Bürgern ein wichtiger Aspekt, um die eigene Arbeit transparent zu machen. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass schon seit 2007 jedes Jahr die Konferenz „Social Media for Government“ stattfindet. Vor Kurzem fand diese Veranstaltung in Washington DC statt. Teilnehmer aus USA, Kanada, Schweden, Norwegen und Australien diskutierten und erhielten Beispiele aus den verschiedensten Bereichen.

In Europa wird vielfach die Meinung vertreten, dass erst mit Obamas Wahlkampf der Einsatz von Social Media eine Rolle in der amerikanischen Gesellschaft zu spielen angefangen hat . Tatsächlich sind viele staatliche Einrichtungen schon lange im Internet aktiv und die Konferenz im politischen Zentrum der USA zeigt, dass dies nur die Spitze einer Eisberges an Veränderung darstellt.

Im Bereich Regierungseinrichtungen, Militär, Bildung und Gesundheit sind in den USA die verschiedensten Einrichtungen mit unterschiedlichen Zielen in den sozialen Netzwerken mehr oder minder aktiv. Der auf der Konferenz am Häufigsten genannte Satz war „With Zero Budget“ und zeigte, wie gut und erfolgreich man mit persönlichen Einsatz und kreativer Ideen auch im E-Government tätig sein kann.

Am 1. Tag der Konferenz kamen u.a. Vertreter von zwei Organisationen zu Wort, bei denen man erstmal ein Konflikt zwischen Social Media und der damit verbundenen Kommunikation und deren Aufgaben vermuten würde.

Social Media zu Lande

Als erstes hat Major Juanita Cheng die Social Media Aktivitäten der U.S. Army beschrieben. Im Pentagon sind vier Personen – zwei Angehörige der Armee und zwei Zivilisten als Teil der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit mit Social Media betraut. Ein dediziertes Budget hat das Social Media Team nicht. Manchmal können Mittel im Rahmen von Konferenzen oder Messen genutzt werden, so ist auch das Handbuch „Army Social Media“ entstanden. Sonst ist man jedoch auf reinen Personeneinsatz, sowie Open Source Tools wie TweetDeck oder Hootsuite angewiesen.

Social Media Wochenplan

Social Media Wochenplan

Aktivitäten werden entfaltet auf Blogs, Twitter, Facebook, Flickr und YouTube. Als zentrale Kommunikationsdrehscheibe dient dabei die eigene Website. Zielsetzung ist dabei einerseits die Kommunikaton mit der Öffentlichkeit und die Beantwortung von Fragen, aber auch die Vorbereitung auf Fälle wo Krisenkommunikation notwendig ist.

Ebenso gehört Fortbildung innerhalb der Truppe zu diesen Thema. So erfahren Soldaten im Rahmen Ihrer Ausbildung etwas darüber, dass z.B. viele Bilder die mit Smartphones oder moderneren Kameras aufgenommen werden, GPS Daten beinhalten können und daher ihre zeitnahe Veröffentlichung auf Facebook oder Flickr für die Sicherheit ein Problem darstellen können. Schon eine geographische Suche nach Fotos in Afghanistan findet tausende von hochgeladenen Fotos.

Insgesamt sind die Ratschläge an die Truppe sehr pragmatisch gehalten und verbieten auch für Militärangehörige nicht die Nutzung von Social Media Kanälen. Die auf Grund von Erfahrungen erstellten Regeln sagen beispielsweise aus:

  • Die Sicherheitsoptionen zur Sichtbarkeit der eigenen Beiträge sollten auf „Friends only“ geschaltet sein.
  • Werde kein „Freund“ mit jemanden, den du nicht persönlich kennst.
  • Sei vorsichtig, was du online sagst
  • Veröffentliche niemand persönliche, finanzielle Informationen
  • Sei vorsichtig, wer auf Fotos getaggt oder sonstwie benannt wird – nicht jeder möchte das.
  • Prüfe Fotos, wo man selbst getaggt wurde
  • Benutze den gesunden Menschenverstand. Wenn etwas sich nicht richtig anfühlt, ist es häufig auch nicht richtig.
  • Nur weil jemand ein Profil-Foto hat, heisst es nicht, dass es auch von dieser Person stammt.

Die offiziellen Social Media Accounts der Armee – wie auch andere öffentliche Einrichtungen – müssen darüber hinaus noch andere Aspekte berücksichtigen. So muss schon der Anschein von Bevorzugung vermieden werden. Daher wird man keine Twitter-Accounts der US Army finden, die z.B. Boing oder anderen Firmen folgen. Es wird ausschliesslich anderen Einrichtung der Regierungen oder Nachrichtendiensten gefolgt.

US Army Krisen-Checkliste

US Army Krisen-Checkliste

An praktischen Beispielen brachte der Major die Erfahrungen aus den Ereignissen rund um die Schiesserei in der Garnison Fort Hood im Jahr 2009. Da Militäreinrichtungen normalerweise für Medienvertreter gesperrt sind, waren Social Media Kanäle für geraume Zeit die einzige Nachrichtenquelle. Nachrichtendienste wie CNN konnten nur das berichten, was z.B. über Twitter Kommunikation wurde. Dabei war die Korrektheit der Information die verbreitet wurde nicht immer gegeben. Über die Twitter & Facebook Accounts wurden insgesamt 20.000 Nachrichten und Antworten verschickt.

Die Erfahrungen aus den Ereignissen war, dass  in der Social Media Welt die ersten wenigen Stunden die wichtigsten sind um zu reagieren. Dabei soll es nicht nur darum gehen, den Nachrichtenfluss zu kontrollieren, sondern auch die Öffentlichkeit mit Fakten zu informieren um Gerüchten den Nährboden zu entziehen.

Vier für eine ganze Armee

Vier für eine ganze Armee

Social Media Armee – im wahrsten Sinne des Wortes

Viele Social Media Agenturen raten in Zusammenhang mit der Vorbereitung auf Social Media Krisen sich seiner „Armeen“ zu versichern, also in erster Linie den Mitarbeitern im Unternehmen und den Influencern bzw. Markenbotschaftern in den sozialen Netzwerken. Wie ist das aber, wenn diese „Social Media Armee“, wirklich eine Armee darstellt ?

Es gibt einen Fall der die Rolle der Soldaten in der Garnison als besonders positiv herausgestellt. Diese hatten ja weiter ihre Smartphones und Internetzugänge und konnten – auch wenn sie nicht direkt beteiligt waren – weiter mit der Aussenwelt über diesen Kanal kommunizieren. Diese konnten viele Fehlaussagen richtig stellen, einfach da sie authentisch und aus eigenen Antrieb in den sozialen Netzwerken heraus aktiv waren.

Die US Army selbst hat auch Blog- oder Facebookkommentare mit bedenklichen oder falschen Informationen nicht gelöscht, sondern sich auf diese Selbstregulation verlassen. Aus Sicht des Social Media Teams, waren die Mitarbeiter und Soldaten am Ende die besten Multiplikatoren um die korrekten Informationen zu verbreiten.

Eines der grössten Probleme bei Social Media ist, laut den Militärvertretern, die Veröffentlichung von Tweets oder Facebookeinträgen die sich als Armeeangehörige ausgeben oder die einfach aus anderen Gründen fehlerhafte Informationen verbreiten.

US Navy Medicine

US Navy Medicine

Social Media zur See

So berichtete Captain Cappy Surette des US Navy über ein Fall, wo das Hospitalschiff USNS Comfort im Hilfseinsatz im Januar 2010 vor Haiti lag. von einer zivilen Hilfskraft getwitter wurde, dass jeden Tag 4 von 5 Babies sterben würden und das keiner der Ärzte weiss, wie man sich um Kinder kümmern müsste. Diese und andere Aussagen waren aber nicht korrekt. Als man die Hilfskraft an Bord zur Rede stellte, meinte sie, sie wollte ihre Rolle an Bord einfach etwas aufregender gestalten.

Auch in anderer Hinsicht konnten Social Media Kanäle genutzt werden um die Öffentlichkeit zu informieren. So kam wenige Tage nach dem Erdbeben in Haiti Kritik an der US Navy und dem US Navy Surgeon General als Befehlshaber dieser Einheit auf. Ursache war das die USNS Comfort – ihres Zeichen das größte Krankenhaus in den USA und darüber hinaus noch auf einen Schiff – noch Tage nach den Erdbeben im Hafen lag. Die Medien und Öffentlichkeit – auch getragen von den TV Shows – erwarten heute, dass alles sofort geschieht. Ein Effekt, der dem CSI-Effekt nicht unähnlich ist.

Die US Navy sah ihre Aufgabe darin Transparenz zu schaffen, unter anderen was es bedeutet so ein Schiff auf den Einsatz vorzubereiten. Wie also aus Krankenhäusern Personal abgezogen wird, Material an Bord gebracht wird und das Schiff auf den Weg zu bringen. Ein Vorgang, der normalerweise 5 Tage benötigt und die US Navy in der Rekordzeit von 76,5 Stunden schaffte. Über mehrere Wochen war die USNS Comfort und ihr Einsatz eines der Top Themen auf Twitter und besonders in Blogbeiträgen beginnend von der Vorbereitung, bis zur Rückkehr im März 2010.

Bei der Social Media Berichterstattung selbst, setze man auf Fotos und authentische Berichterstattung der Beteiligten Militärangehörigen und Zivilisten vor Ort, aber auch von der Leitungen der Abteilungen. Natürlich wurden dabei auch gemonitored um festzustellen, was gesagt wurde und gegebenfalls Fehlinformationen korrekt darzustellen. Dabei kommen diverse Tools wie Radian6, TweetDeck, Facebook Insights, usw. zum Einsatz.

US Militär offener als so manche deutsche Regierungsbehörde

Die beiden Vertreter des US Militärs konnten darlegen, dass diese offen und professionell mit den Thema Social Media umgeht. Während die US Navy die Aktivitäten eher unter dem Gesichtspunkt der Öffentlichkeitsarbeit sieht, hatte die US Armee weit aus praxisnähere Erfahrungen berichtet. Dabei hat die US Navy anscheinend ein merkbares Budget und seine Social Media Aktivtäten schon weitgehend durchstrukturiert.

Insgesamt berichteten die Vertreter von Erfahrungsaustausch in dem Bereich Social Media mit den Kollegen aus Schweden und Australien. Von Kontakten oder Erfahrungsaustausch mit Deutschland wusste man nichts zu berichten. Es scheint auf jeden Fall auch den deutschen Sicherheitsbehörden und der Bundeswehr angeraten, sich die Erfahrungen der US Alliierten zu nutze zu machen und mehr auf Offenheit gegenüber der Allgemeinheit und Schulung der Mitarbeiter zu setzen. (FS)

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Ein Kommentar zu “Social Media in Krieg und Frieden”

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