The Facebook World

The Facebook World

Facebook Likes sind eine der wichtigen Währungen von Agenturen und Social Media Manager um den Erfolg ihrer Kampagnen zu belegen. Bernard Meisler machte nun einige Erfahrungen, die diese Währung genauso gefährdet wie früher manche Erfolgswerte die Zweifel an so manchen Pageviews von Webseiten, Twitter-Followerzahlen oder Linkfarmen aufkommen lies.

Kommentieren, liken, teilen –Facebook-Nutzer machen von den Hauptfunktionen von Facebook regen Gebrauch. Das Fotoalbum vom Freund wird geliked und einen netten Kommentar gibt es auch noch dazu. Schreibt eine Marke oder Geschäft ein Preisausschreiben aus, kann man nur daran teilnehmen, indem man die Meldung teilt und so auf seiner eigenen Pinnwand weiterverbreitet. Das dahintersteckende Marketing wird von vielen Nutzern für die Chance auf einen Gewinn gerne akzeptiert und ist völlig legitim, denn man weiß, worauf man sich einlässt. Ganz neu dabei ist die Möglichkeit, das Auftauchen der gesponsorten Beiträge durch Geldbeträge zu pushen. Doch dazu später mehr.

Was soweit also harmlos klingt und für die meisten Nutzer das A und O von Facebook ist, erscheint plötzlich in einem ganz anderen Licht. Bernard Meisler, der uns freundlicherweise erlaubt hat, seine Erfahrungen ins Deutsche zu übersetzen, berichtet auf readwrite.com von Likes seiner Freunde, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Da gefällt der bierhassenden Freundin plötzlich eine populäre Biermarke, während der Kollege, der sämtlichen Konsum verabscheut und noch nicht mal einen Führerschein hat, auf einmal Fan einer Automarke ist.

Real likes?

Real likes?

Aufmerksam geworden ist Bernard Meisler, ein Multimedia Pionier und Software Entwickler erster Stunde, durch das Profil eines kürzlich verstorbenen Freundes, welches in Facebook noch aktiv war. Auf seiner Pinnwand bekam er die Meldung, dass sein Freund bei einer Unternehmensseite auf „gefällt mir“ geklickt hat. War die Tatsache, dass sein Freund bereits verstorben war, nur zu offensichtlich, war es außerdem zu seltsam, denn sein Freund war auch vorher nie ein Fan von marktführenden Mega-Konzernen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sein Freund diese Seite wirklich angeklickt hatte, war daher außerordentlich gering.

Davon angestachelt führte Bernard Meisler eine Umfrage unter seinen Freunden durch und erhielt erstaunliche Ergebnisse. Diese fanden unter ihren Favoriten Seiten, die sie niemals aktiv angeklickt hatten; allesamt marketingtechnisch relevante Seiten großer Unternehmen oder Marken. Und genau diese Seiten tauchten dann unter den gesponsorten Meldungen auf den Seiten ihrer Freunde auf und betrieben so ganz unberechtigt Marketing vom Feinsten. Und so kommen denn auch die Neuigkeiten von Verstorbenen auf die eigene Pinnwand, denn diese gesponsorten Meldungen können von Facebook einfach recycelt und immer wieder gepostet werden.

Auf Nachfragen bei Facebook bezüglich der Fake-Likes gab es lediglich die lapidare Antwort, dass man versehentlich, wahrscheinlich in der Facebook Mobile App, auf diese Seiten geklickt hätte. Zumindest könnte Facebook genau nachvollziehen, wann genau der Klick auf die Seite stattgefunden habe. Irrtum also ausgeschlossen. Nur, ist es wirklich so wahrscheinlich, dass allein in einem hier befragten Freundeskreis mehr als ein Duzend Menschen aus Versehen Dinge angeklickt haben und fortan in ihren Favoriten auftauchten? Und dieses dann auch nur beschränkt auf Seiten mit hohem Marktwert?

Auch noch etwas anderes ist Bernard Meisler negativ aufgefallen: Die von ihm verwaltete Seite seines Kunst-Magazins Sensitive Skin zeigte unübliche User-Statistiken. Obwohl die Zahl seiner gesammelten Likes gestiegen war, tauchten seine Posts weniger häufig auf den Pinnwänden der Nutzer auf, die deren Fan waren. Daraufhin nahm er selbst die Möglichkeit wahr, Geld an Facebook zu überweisen, damit seine Beiträge, wie Facebook selbst es nannte, promotet werden. Nun aber gab es für das englischsprachige Magazine plötzlich haufenweise Hits aus Südamerika, dem Mittleren Osten und Asien, in Schriftbildern, die der Herausgeber weder verstehen noch entziffern konnte. Suboptimal, wenn es um Verkaufszahlen und Leserschaft geht und reichlich uneffektiv, wenn man die hohen Kosten für die Werbenden bedenkt. Warum also lenkt Facebook die gesponsorten nicht besser? Es scheint fast, als ob Kalkül dahinter steckt, Nutzern keine optimalen Ergebnisse zu liefern. Likes ja, aber doch bitte nur wenige, die wirklich zu gebrauchen sind.

Bezüglich dieser Umstände bleiben ein schales Gefühl und viele unbeantwortete Fragen zurück. Wer genau ist verantwortlich für die mysteriösen Likes? Ist es Facebook selbst, welches sich in den Profilen seiner Nutzer zu schaffen macht oder sind es unbekannte Dritte, die hinter den Fake-Likes stecken? Der immense Umfang persönlicher Daten von inzwischen mehr als einer Milliarde Nutzern beschert Facebook eine große Verantwortungshaltung gegenüber denen, die bereitwillig über sich preisgeben. Ohnehin schon großer Kritik wegen lascher Datenschutzrichtlinien ausgesetzt, stellt sich die Frage, ob sogar größere Verstöße vorliegen als bisher bekannt. Was genau passiert mit den Daten, wer hat Zugriff und welcher Schaden und Betrug kann damit angerichtet werden.

Fragen, die weiter an Relevanz gewinnen werden und auf Beantwortung warten. Nicht, dass der Social Media Gigant doch noch mal ins Straucheln gerät.

Der Originalrtikel kann bei readwrite.com abgerufen wurden. Mit freundlicher Genehmigung von Bernard Meisler.

Nun bekam ich die Gelegenheit auf der Firmenwebseite ECCE TERRAM mal die neuen Werbemöglichkeiten selbst austesten können. Einmal mit der Funktion „hervorheben“, einmal mit der Like-Werbung die Freunden.

In den ersten 24 Stunden wurde der Beitrag (in beiden Faellen ein und dieselbe Infografik) sehr häufig gesehen, aber nur selten geliked. Wenn es zu Likes kam, dann von Nutzern deren Profil zeigte, dass diese auch mit dem Thema vertraut waren. In der Zeit wurde der Beitrag der hervorgehoben wurde 750 mal gesehen und 5 mal geliked. Soweit erkennbar von Teilnehmern, die auch mit dem Thema der Infografik oder der Firma in Verbindung stehen.

Der Beitrag der beworben wurde, wurde in den ersten 24 Stunden ca. 7.000 mal gesehen. Die Likes waren glaubhaft, wie auch in der hervorgehobenen Variante. Nach dieser Zeitspanne explodierten dann die Likes der beworbenen Version der Anzeige. Während sich die Reichweite von 7.000 auf 10.000 steigerte, steigerte sich die Anzahl der Likes um Faktor 3-4. Alle neuen „Likes“ ist gemein, dass das Profil der Teilnehmer auf die selbe Art angelegt ist und eine eingeschränkten Einblick in das Profil gewährt.  Wenn Angaben vorliegen ueber deren Taetigkeiten, dann wurde klar, dass diese kein Interesse an diesen speziellen Thema des Beitrages haben sollten. Von den neuen Likes würden derzeit ich alle als „Fake“-Likes einstufen.

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Herrenlose Likes und keiner will es gewesen sein
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