Social Network are from yesterday

Social Network are from yesterday

Erst seit einigen Jahren gibt es die großen sozialen Netzwerke wie Twitter oder Facebook und trotzdem sind sie bereits Teil des alltäglichen Lebens von circa 950 Millionen Nutzern weltweit. Wer in ist, in online. Kontakte pflegen schien noch nie so einfach. Ist das aber alles wirklich neu?
Freunde, die bisher eine Flugreise und teure Anrufe entfernt waren, können nun im Minutentakt angeschrieben werden, oder aber man trifft sich gleich zum Plausch mit ihnen vor dem heimischen Laptop. Für Lau versteht sich.

Die Entfernung zwischen Menschen unterschiedlicher Länder und Kontinente ist merklich geringer geworden. Ganz natürlich ist es heutzutage, dass junge Menschen Freunde in aller Herren Länder haben. Da wird geskypt mit Paul als London, das Fotoalbum von Maja aus Indonesien für gut befunden und im Vorbeigehen direkt noch allen Followern mitgeteilt, dass man gerade online eine neue Skiausrüstung ergattert hat. Für die Hälfte der 19 – 24-jährigen gehört Facebook sogar schon vor dem Frühstück zum guten Ton, müssen doch durchschnittlich acht Freundschaftsanfragen pro Monat und unzählige Eventanfragen schnell und unkompliziert abgearbeitet werden.

Ein scheinbar so neues Phänomen, Facebook, welches uns plötzlich so viel mehr Menschen nahe bringt als vorher, ist streng genommen gar nichts Neues. Durchschnittlich 130 bis 150 Menschen zählen wir in Facebook zu unserem Freundes- und Bekanntenkreis, welcher sich aus privaten Freunden, Arbeitskollegen, Familie, Schulfreunden und vielen weiteren zusammensetzt. Viele Menschen das Gefühl, dass sich ihr persönliches Netzwerk durch Facebook vergrößert hat. Genau diese Vorstellung widerlegt die Dunbar-Zahl, die die theoretische kognitive Grenze der Anzahl von Menschen in unserem persönlichen Netzwerke angibt. Dazu wiederum werden all die Menschen gezählt, mit denen man in einer reziproken Beziehung steht und eine eigene Geschichte verbindet.

Für den Evolutionsbiologen Robert Dunbar von der Universität Oxford ist diese Zahl ein Abbild der hohen psychologischen Anforderungen, welche das Leben in einer großen Gruppe an jeden Einzelnen stellt. Ihren Ursprung hat diese beständige Grenze in einem statistischen Zusammenhang mit der Größe der Großhirnrinde. So waren zum Beispiel englische Dörfer im elften und 18. Jahrhundert etwa 150 Mann stark, auch war es eine gängige Zahl für eine Gruppe Jäger und Sammler in der Steinzeit. Aber auch moderne Beispiele gibt es. Funktionstextilien-Hersteller Gore-Tex baut bei Wachstum eine neue Fabrik mit bis zu maximal 150 Mitarbeiten, anstatt an einer schon bestehenden Fabrik mit derselben Mitarbeiterzahl aufzustocken. Dahinter steckt der Grundgedanke einer Arbeitsgemeinschaft, in der jeder Jeden kennt und in der man ohne umständliche Dinge wie Führungsebenen oder gar Namensschilder auskommt.

Es scheint, als ob Facebook doch kein neuer Garant für viele Freunde und Bekannte ist. Vielmehr ist es so, dass sich auch soziale Netzwerke an altbewährte Strukturen halten und sie, wenn überhaupt, unsere Kontakte auf eine virtuelle Ebene verlagern. Auch die Anzahl unserer engen Freunde hat sich durch soziale Netzwerke nicht verändert. Fünf bis sieben ist die gängige Zahl an guten Freundschaften, die Menschen durchschnittlich pflegen. Noch so eine magische Grenze, die uns unser Unterbewusstsein aufmogelt. Denn ab einer Anzahl von sieben Gegenständen, Personen, Bildern, Menüpunkten oder ähnlichem verliert das Gehirn den sofortigen Überblick und gerät ins Zählen; unpraktisch also.

Das sich die Anzahl der Freunde im Durchschnitt inzwischen auf 190 erhöht hat, hat eher damit zu tun, dass man Freunde schneller akzeptiert, als Bekannte die man aus den Augen verloren hat wieder “unfriended”. Wer aber wirklich Übersicht über seinen Freundeskreis (und damit auch wer seine mehr oder minder privaten Informationen erhält und weiterverbreitet) kommt um die Pflege seines Freundeskreises nicht drumherum – genau wie im wirklichen Leben.

Ach ja, die Herrschaften mit 500 und mehr Freunden können Sie nun getrost in die Kategorie Angeberei einordnen, denn: Wer behält denn da noch den Überblick?

 

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2 Kommentare zu “Soziale Netzwerke sind so Steinzeit”

MiuSuCo

wobei der Abschlusssatz die Realtät der technischen Angebote wiederspiegelt ,aber eben auch die Unzulänglichkeiten. Wer sagt denn, dass er alle Kontakte, die eben nur als Freunde angenommen werden können, auch als Freunde ansieht?
Und selbst bei weniger ist es doch so, dass ich nicht jeden als Freund bezeichnen würde, und dennoch den Überblick habe, wen ich zu echten Freunden zähle.

Frank Simon

Die Klassifierung von “Freunden” ist sicher bei jeden unterschiedlich. Das stimmt. Aber wenn wir mal Geschaeftskontakte, etc abziehen (die sind sicher auf Xing & Linkedin besser aufgehoben). Selbst wenn du es weit auffasst und sagst “Bekannte sind ja auch “Faceboom Friends” – wer sagt ueber sich selbst in der realen Welt, dass er 500 Bekannte hat ? :-)

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