Crowdfunding von Ideen

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Indiegogo, Kickstarter und andere sind seit einigen Jahren neue Wege der Finanzierung für Kleinunternehmern, Künstler oder Start-Ups. In den wenigen Jahren gab es schon einige Erfolgsgeschichten wie z.B. die der Smartwatch Pebble aus den USA. Wo Erfolg ist, ist aber auch Scheitern und Kickstarter hat jetzt seinen ersten grossen Misserfolg zu verbuchen – mit einen Projekt aus Europa.

Ende 2014 befand das junge Unternehmen Torquing Group aus Wales (UK), dass der geeignete Weg für ihr neuestes Projekt der Weg der Finanzierung über Kickstarter sein könnte. Man brauchte umgerechnet 190.000 US-Dollar um den Prototyp einer Mini Drohne mit Namen Zano in die Massenproduktion zu bringen.

Ein Video des Unternehmens auf Kickstarter zeigte den Prototyp in Aktion. Für 15 Minuten sollte die Drohne in der Lage sein, Selfie Fotos aufzunehmen oder Videos zu übertragen, autonom dem Benutzer folgend oder gesteuert durch ein Smartphone – um anschliessend auf der Handfläche des Besitzers zu landen. Beeindruckend war das Produkt ohne Zweifel und das Interesse war gross. Sehr gross. Mega gross.

Innerhalb von 10 Tagen kam das benötigte Geld zusammen und man erweiterte die Features (und das benötigte Kapital) um HD-Video, Wireless Charging, Optionen wie eine Thermal Imaging Camera, usw. Der Einstiegspreis war 210 USD, ein Klacks in der professionellen Drohnenwelt. Ein Stand auf der CES und dass man es auf die Kurzliste des „Best of CES Awards“ bei Engadget schaffte, brachte ihr übriges.

Am Ende waren 3,5 Mio. US-Dollar gesammelt und die Auslieferung war versprochen für Juni. Auch der Autor dieses Artikels hat sich daran beteiligt.

Autonome Mini Drones könnten Next-Big-Think sein.

Autonome Mini Drones könnten Next-Big-Think sein.

Die Produktion rollte nicht an, was bei hardwarebasierten Projekten von Kickstarter nicht unüblich ist. Und wie es bei jeder Investition vorkommen kann, kann diese auch scheitern. Und das passierte. Im November verschwand Torquing Group ohne Meldung, beantwortete keine Anfragen und kurz danach wurde Insolvenz angemeldet.

Kickstarter hat für den Fall des Scheiterns einige Regeln aufgestellt, dazu gehört auch, den Investoren bzw. „Backern“ wie es genannt wird, völlig transparent darzustellen, wieso das Projekt scheiterte und was mit den Geldmitteln passierte. Genau dies geschah nicht.

Hier entschloss sich Kickstarter zu einem Schritt, der Beachtung finden sollte. Man suchte einen Journalisten der beauftragt werden sollte zu recherchieren, dies in einem Artikel zu verarbeiten und zu veröffentlichen. Man gab dabei zwar einen Schwerpunkt vor, nämlich, was die Gründe für das Scheitern war und was daraus andere Kickstarter-Projekte lernen könnten, aber der Auftrag wurde nicht beschränkt und wollte auch keinen Einfluss auf den eigentlichen Artikel nehmen.

Mit Mark Harris fand man einen renommierten Journalisten, der regelmäßig für Entertainment Weekly schreibt und Autor verschiedener Bücher gewesen ist.

Vor kurzem hat Mark Harris nun seine Erkenntnisse veröffentlicht. Auf Medium.COM  kann der vollständige und ausführliche Artikel gefunden werden.

Er beschreibt die Geschichte eines Unternehmers, der zu optimistisch war, eine Gruppe von engagierten Entwicklern und Technikern die versuchten, Probleme zu lösen und schlussendlich scheiterten. Aber es beschreibt auch, wie man nach und nach nach aussen oder sogar vor sich selbst nicht eingestehen wollte, dass es die Probleme gab. Man wurde Opfer der eigenen Versprechungen und Visionen.

Hätte aber Kickstarter das Problem verhindern können? Die Frage scheint weniger zu beantworten zu sein. Leser von Projektbeschreibungen haben die Möglichkeit, auf Ungereimtheiten bei Projektbeschreibungen oder z. B. dem veröffentlichten Video hinzuweisen. Es gab jedoch nur eine einzige solche Beschreibung und auf dem Level kann man Kickstarter eher keinen Vorwurf machen.

Die Tatsache, dass Kickstarter einen Journalisten beauftragte die Recherche durchzuführen, ist ein zu begrüssendes Mittel, eine Transparenz zu schaffen, wo das Unternehmen, die Gesetze und die Community versagte. Und der Artikel legt auch vieles offen ohne Zweifel.

Die Frage die man sich aber auch stellen kann, war Kickstarter in der Lage, während das Projekt lief, einzugreifen um z.B. Schaden, auch von weiteren Backern oder später auch von Nutzern, die Pre-Orders via Paypal tätigten, abzuwenden ?

Nach Ende der Kampagne wendeten sich auf jeden Fall 62 Backer an Kickstarter. Leider erhielt der Autor diese Reports nicht zur weiteren Recherche mit Verweis auf den Datenschutz. Dabei wäre eine Anomysierung oder der Versuch, seitens Kickstarter von den Sendern die Zustimmung zu erhalten, nicht unmöglich oder aufwendig gewesen. Auf Nachfrage bei Mark Harris erfuhr man jedoch, dass fast alle diese Reports aus Oktober 2015 waren und daher sich eher um allgemeine Beschwerden handelten.

Backer werden daraus lernen, dass Kickstarter eben eine Investitionsplattform ist, und Investitionen kann man auch verlieren. Auch Unternehmer könnten daraus lernen. Auch Kickstarter hat gelernt und mit dem Ansatz, einen Journalisten zu beauftragen, ein Vorbild für andere Unternehmen geschaffen.

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